Blauer Bus mit Stromanschluss
Ein Elektrofahrzeug des finnischen Herstellers Linkker soll auf der Linie 204 erprobt werden
Wenn der blaue Bus kommt, können Kunden der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) das Fahrgeld getrost stecken lassen - mangels Ticketdruckern. Voraussichtlich ab Dienstag wird ein Elektrobus des finnischen Startup-Unternehmens Linkker für eine Woche seine Runden auf der Linie 204 drehen, die die Bahnhöfe Zoo und Südkreuz auf rund sieben Kilometern Streckenlänge verbindet.
»Der Einsatz hat sich sehr spontan ergeben«, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz auf nd-Anfrage. »Unser Buschef Torsten Mareck hat das Fahrzeug auf der Messe entdeckt, und der Hersteller Linkker war sofort bereit, uns das Fahrzeug für einen Test zur Verfügung zu stellen«, so Reetz. Das war wohlgemerkt am Dienstag, auf der erstmals in Berlin stattfindenden Fachmesse »Bus2Bus«.
»Wir haben bereits 20 Busse ausgeliefert, unter anderem an die finnischen Städte Espoo, Turku und Helsinki sowie nach Kopenhagen in Dänemark«, sagt André Stephan. Er ist Linkker-Vetriebschef für das deutschsprachige Europa. »Wir setzen auf eher kleine Batterien, um Gewicht und Kosten zu sparen«, erklärt Stephan. Vollgeladen kann der knapp 13 Meter lange Bus etwa 50 Kilometer weit fahren. »Der Bus hat einen kleinen Stromabnehmer auf dem Dach. Nach drei Minuten nachladen an der Endhaltestelle kann er 15 Kilometer zusätzliche Strecke fahren«, erklärt Stephan. »Wir haben versucht, alles so leicht und einfach wie möglich zu machen, damit 80 Passagiere befördert werden können.«
Durch die besonders leichte Aluminiumkonstruktion der Karosserie verbraucht das Fahrzeug im Durchschnitt etwa eine Kilowattstunde Strom pro gefahrenen Kilometer. Das entspricht Energiekosten von rund 16 Cent pro Kilometer - etwa ein Drittel dessen, was ein Dieselbus verbrauchen würde. Allerdings kostet der Linkker auch mehr als das Doppelte eines normalen Busses - 440 000 Euro. Die Karosserie soll nach Herstellerangaben rund 30 Jahre halten, für die Lithium-Titan-Oxid-Batterien, die auch bei Tesla-Elektroautos verwendet werden, verspricht Linkker bis zu zehn Jahre Lebensdauer.
»Bis Jahresende wollen wir alles testen, was an Elektrobussen auf dem Markt ist«, kündigt Petra Reetz an. »Wir wollen schnell vorankommen«.
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