Cottbus muss klarer handeln
Julien Duez über die Selbstauflösung einer Energie-Hooligangruppe
Mit markigen Worten gab die Cottbuser Hooligangruppe Inferno am Mittwoch ihre Auflösung bekannt. »Der Name Inferno Cottbus ist für alle Zeit untrennbar mit der Fanszene des FC Energie verknüpft. Jene Fanszene, die wir in Trümmern liegend nun hinterlassen.« Nur 24 Stunden nachdem »PNN« und »rbb« über »rechte Mafiastrukturen« auf der Energietribüne berichteten, zieht sich eine der härtesten Gruppierungen im rechtsextremen Teil der deutschen Fanszene zurück. Hitlergrüße, antisemitische und rassistische Parolen - all das ist erst mal vorbei. Die Gruppe wollte wohl einem Verbot zuvorkommen.
Übermäßige Freude ist dennoch nicht angebracht, es bleiben Fragen. Was wird aus der Nachwuchsgruppe »Unbequeme Jugend«? Wer sagt, dass »Inferno« nicht umgehend eine Ersatzstruktur gründet? Kann sich Energie sicher sein, dass der größte innere Feind abtritt? Oder muss er dessen baldige Rückkehr fürchten?
Der Verein hätte solchen Fans schon viel früher den Zugang zum Stadion verbieten müssen. Die Selbstauflösung der Problemgruppe ist scheinheilig und wird das Naziproblem beim Lausitzer Traditionsverein nicht lösen. Auch sportlich geht es dem Zweiten der Regionalliga Nordost nicht so besonders. Der Profifußballs erscheint ferner denn je. Oder wie es Kulttrainer Eduard Geyer umschrieb: Abgestiegen sei man schlicht »durch Dummheit«.
Dieser Tage muss Cottbus schlauer sein, soll dereinst das Ziel Wiederaufstieg geschafft werden. »In Cottbus verwurzelt, mit Energie verbunden«, lautete der Inferno-Schlusssatz. In Zukunft ist es Pflicht für den Verein, sich klarer von solchen Fans zu distanzieren. Erst dann wird auch das »Stadion der Freundschaft« seinem Namen wieder gerecht.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.