Schwarzer erschossen: Polizist freigesprochen
Wütende Demonstrationen nach Urteil im US-Bundesstaat Minnesota / Mutter des Opfers: »Diese Stadt hat meinen Sohn umgebracht und der Mörder kommt davon«
Berlin. Knapp ein Jahr nach den tödlichen Schüssen auf einen Schwarzen im US-Bundesstaat Minnesota ist der angeklagte Polizist freigesprochen worden. Die Jury befand den 29-jährigen Beamte Jeronimo Yanez am Freitag in allen Anklagepunkten für nicht schuldig. Hunderte protestierten gegen die Entscheidung, sie riefen »Black lives matter« und »No justice, no peace«. Das politische System versage, wenn es um Schwarze gehe, sagte Valerie Castile, die Mutter des Opfers Philando Castile. Ihr Sohn habe diese Stadt geliebt, »und diese Stadt hat meinen Sohn umgebracht und der Mörder kommt davon«, sagte sie nach dem Urteil.
Der Polizist stand wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Er hatte im vergangenen Juli in Falcon Heights den 32-jährigen Autofahrer Philando Castile erschossen. Zudem wurde Yanez vorgeworfen, bei dem Einsatz die Sicherheit der Freundin des Opfers und deren Tochter gefährdet zu haben. Beide waren mit Castile im Auto, als dieser erschossen wurde. Castiles Lebensgefährtin Diamond Reynolds hatte ihren sterbenden Freund gefilmt, die Aufnahme wurde live im Internet übertragen. Der Fall sorgte landesweit für Entsetzen.
Castiles Familie reagierte empört auf das Urteil. »Ich bin wahnsinnig wütend«, sagte seine Mutter Valerie. Das Justizsystem benachteilige schwarze US-Bürger. Nach Aussage von Reynolds war das Auto wegen eines kaputten Rücklichts angehalten worden. Castile habe dem Polizisten gesagt, dass er legal eine Waffe dabei habe. Als er seinen Waffenschein und die Fahrzeugpapiere herausholen wollte, habe der Polizist auf ihn geschossen. Die vierjährige Tochter von Reynolds saß während des Vorfalls auf dem Rücksitz. Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze haben in den vergangenen Jahren in den USA wiederholt für Empörung und Aufruhr vor allem in der afroamerikanischen Bevölkerung gesorgt. Agenturen/nd
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