Krisengeübt
Personalie
Stephan Holthoff-Pförtner hat derzeit viel zu tun. In der vergangenen Woche war er zum Beispiel an der Schlagzeilenproduktion rund um die Familie des verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl beteiligt. Der Essener Anwalt vertritt Kohls Ehefrau Maike Kohl-Richter und soll den Nachlass Kohls regeln. Die Auseinandersetzung mit dessen Sohn Walter führt Holthoff-Pförtner.
Einige Tage später, am vergangenen Donnerstag, sorgte Holthoff-Pförtner wieder für Schlagzeilen. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger meldete, dass sein Präsident - Holthoff-Pförtner - aus dem Amt ausscheiden müsse, da er nun Minister im nordrhein-westfälischen Kabinett von Armin Laschet werde. Die Zeitungsverleger störten damit Ministerpräsident Armin Laschets Plan, seine Minister um 11 Uhr vorzustellen - die Verleger waren knapp zwei Stunden schneller. Holthoff-Pförtner hatte das Amt im Verlegerverband erst vor einem halben Jahr übernommen. Von seiner Adoptivmutter Gisela Holthoff hatte der Rechtsanwalt Anteile an der Funke Mediengruppe geerbt. Damit gehört er zu den mächtigsten Medienmachern im Land. Die Mediengruppe, deren Wurzeln im Ruhrgebiet liegen, hat in den letzten Jahren enorm expandiert. Neben der »Westdeutschen Allgemeinen Zeitung« gehören auch Tageszeitungen in Thüringen, die »Berliner Morgenpost«, das »Hamburger Abendblatt« und zahlreiche Zeitschriften und Anzeigenblätter zum Konzern.
Holthoff-Pförtner ist schon lange in der CDU aktiv. Seit zwei Jahren ist er Schatzmeister der nordrhein-westfälischen Union. In der neuen Landesregierung hat Holthoff-Pförtner das Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa, Internationales und Medien übernommen. Ein passender Posten, Holthoff-Pförtner ist in ganz Europa vernetzt. Und als Anwalt macht er sich vor allem in spektakulären Verfahren einen Namen. So verteidigte er den ehemaligen Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland nach der Loveparade-Katastrophe. Holthoff-Pförtner ist ein Krisenmanager mit besten Medienkontakten - so etwas kann jede Regierung gebrauchen.
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