Rohstoff im Amazonasgebiet
In Sachen Ölförderung macht sich die Regierung Ecuadors derzeit nicht allzu viele Freunde. Die OPEC-Kollegen sind wenig begeistert über die Aufkündigung gemeinsamer Förderkürzungsbeschlüsse. Und Umweltschützer kritisieren scharf, dass der Staatskonzern Petroamazonas im vergangenen Herbst mit der Ölförderung in einem geschützten Gebiet im Yasuní-Nationalpark begonnen hat. Die gewonnene tägliche Menge an Rohöl liegt zunächst bei 23 000 Fass und soll bis 2022 auf 300 000 Fass steigen.
Ursprünglich sollte es hier ein internationales Klimaschutzprojekt neuer Prägung geben. So war angedacht, dass Ecuador auf die Förderung verzichtet und im Gegenzug von der Staatengemeinschaft Zahlungen für entgangene Einnahmen erhält, die unter UN-Aufsicht in Projekte zu Klimaschutz und Entwicklung fließen. Da die Geberländer im globalen Norden nur einen Bruchteil zahlen wollten, entschied sich die Regierung in Quito gegen den Umweltschutz.
Dabei kennt das Land die Folgen des Raubbaus an der Natur durch Ölförderung wie kaum ein anderes: In der Region Lago-Agrio wurden Gewässer und Böden durch den US-Konzern Chevron/Texaco stark verschmutzt, was zur Zunahme der Krebserkrankungen und einem Rückgang der Biodiversität führte. Der Konzern weigert sich, eine Strafe in Höhe von neun Milliarden US-Dollar zu begleichen, wozu ihn ein ecuadorianisches Gericht im Februar 2011 verurteilte. »Dass Konzerne für die Missachtung von Menschenrechten und für Umweltvergehen nicht belangt werden, ist das Ergebnis fehlender Regelungen für internationale Investitionen und Handel«, erklärte der LINKE-Europaabgeordnete Helmut Scholz jetzt bei einem Besuch in der Region. KSte
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