- Berlin
- Obdachlosigkeit in Berlin
Obdachlosencamps im Tiergarten geräumt
Trotz Kritik von Wohlfahrtsverbänden ließ der Bezirk Mitte Zeltlager auflösen
Die wilden Zeltlager im Tiergarten sind geräumt. Mitarbeiter des Ordnungsamtes und des Straßen- und Grünflächenamtes von Mitte wurden bei der Aktion am Montag von der Polizei unterstützt. Das teilte das zuständige Bezirksamt mit. Zur Erklärung hieß es, das Zelten im Park sei verboten. Eine Räumung werde aber nur »als letztes Mittel eingesetzt, nachdem soziale Arbeit zum Beispiel von freien Trägern im Vorfeld nicht zum Erfolg geführt hat«.
Bereits in der vergangenen Woche hieß es, dass die von Obdachlosen aufgeschlagenen Zeltlager im Rahmen einer »Task Force« geräumt werden sollten. Caritas-Direktorin Ulrike Kostka hatte von Dassel daraufhin »Rambo-Methoden« vorgeworfen. Räumungen einzelner Parks gebe es immer wieder, erklärten auch Vertreter anderer Wohlfahrts- und Hilfsorganisationen. Die Obdachlosen würden damit lediglich in andere Parks vertrieben.
Am Mittwoch beginnt die Kältehilfesaison. Obdachlose können dann nachts vom Kältebus aufgesammelt werden. Außerdem können sie in einer Notunterkunft übernachten - allerdings konkurrieren rund 4000 bis 6000 Obdachlose um geplante 1000 Plätze, von denen noch nicht einmal sicher ist, ob es sie geben wird.
Besser sei es, diesen Menschen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, meint Kostka. Bisher reichen aber auch die Plätze in der Wohnungslosenhilfe nicht aus. Als wohnungslos gelten derzeit rund 40 000 Menschen in Berlin. Vermehrt sind darunter auch Kinder.
Auch der Pankower Bezirksbürgermeister Sören Benn (LINKE) forderte einen Ausbau der Wohnungslosenhilfe. Zudem brauche es mehr Straßensozialarbeiter und zusätzliche Stellen bei Ordnungsämtern und Polizei. »Obdachlosigkeit ist oft Folge einer sozialen Abwärtsspirale aufgrund von Schicksalsschlägen. Das kann im Prinzip jeden und jede von uns treffen. So sollten wir auch damit umgehen«, sagte er dem »nd«. Zur Forderung von Dassels, ausländische Obdachlose abzuschieben, sagte Benn: »Wer Armut unsichtbar machen will, muss die Armut bekämpfen, mindestens ihre Folgen lindern, sicher aber nicht die Ärmsten einfach vor die Stadt karren.«
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