Verdrängt, aber alltäglich
Tödliche Gewalt gegen Frauen interessiert in Deutschland bisher allenfalls am Rande
Berlin. Eine 43-jährige Portugiesin wurde 2016 in Leipzig getötet und zerstückelt, die Leichenteile wurden ins Elsterflutbecken geworfen. Im Februar 2017 wurde eine weitere Frauenleiche in einem verfallenen Haus gefunden. Der Prozess gegen den doppelt Tatverdächtigen beginnt am 17. November am Landgericht Leipzig. Die grausige Tat eines Verrückten? Eine Familientragödie? Oder ein Eifersuchtsdrama?
158 Frauen wurden 2016 in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner umgebracht, 211 überlebten den versuchten Totschlag. Was in Lateinamerika, aber auch in Italien, Spanien, oder Irland längst unter dem Begriff »Frauenmorde« als gesellschaftliches Problem diskutiert wird, bleibt hierzulande dennoch ein Randthema, das höchstens in die Boulevardpresse Einzug hält. An diesem Samstag lädt die Rosa-Luxemburg-Stiftung unter dem Motto »Keine mehr« zu einer Tagung in Berlin ein, um gemeinsam mit Frauenhäusern und feministischen Initiativen »Femizide« politisch zu diskutieren. Unter diesem Slogan haben 2015 und 2016 Hunderttausende in Mexiko, Argentinien und Peru gegen Frauenmorde protestiert. Doch was kann in Deutschland gegen Gewalt an Frauen getan werden?
»Der Staat muss mehr Frauenhausplätze schaffen«, fordert Alexandra Wischnewski, feministische Referentin der Linksfraktion im Bundestag. »Über 13 000 Frauen werden jährlich abgewiesen. Beratung und Schutz für Frauen sind jedoch zentral, um eine Eskalation zu vermeiden.« Die Mitorganisatorin der Tagung zeigt sich optimistisch, dass sich durch die aktuelle metoo-Debatte über sexuelle Gewalt die Bedingungen hierfür verbessern. »Das Bewusstsein über Sexismus wächst.« Die Debatte zeige, dass Frauenmorde nur die Spitze des Eisberges einer patriarchalen Kultur seien: »Es geht um Macht.« ek Seiten 5 und 9
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.