- Politik
- FDP bei Jamaika
Rückkehr der Lobby-Partei
FDP vertritt die Interessen von Steuervermeidern
Am Abend der Bundestagswahl dürften bei Stefan Kapferer die Sektkorken geknallt haben. Seine FDP war in das Parlament zurückgekehrt und hat beste Aussichten, an der neuen Bundesregierung beteiligt zu werden. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ließ umgehend eine Pressemitteilung verbreiten, in der er unter anderem forderte, die Stromsteuer auf »das zulässige Minimum« zu reduzieren, damit das Produkt Strom »wettbewerbsfähiger« werde. Der BDEW ist sehr einflussreich. In dem Verband sind rund 1800 Konzerne organisiert, darunter Stadtwerke, große Energiekonzerne wie RWE und ExxonMobil, aber auch Windparkbetreiber.
Seine Forderungen durfte Kapferer, der früher Staatssekretär in Ministerien des Bundes sowie in Niedersachsen war, auch in die Sondierungsgespräche im Bund zwischen Union, FDP und Grünen einbringen. Das ist ungewöhnlich. Bei den Sondierungen sind nämlich in der Regel aktive Politiker und Beamte vertreten. Der Lobbyist sitzt dort in einer Arbeitsgruppe zur Klima- und Energiepolitik für die Freien Demokraten mit am Tisch. Vom BDEW hieß es zu der Nominierung Kapferers, dass bei den Gesprächen »unabhängiger Sachverstand« hinzugezogen worden sei. Die FDP erklärte, dass Kapferer zwar Mitglied sei, aber kein Verhandlungsmandat für die Partei habe und seine Teilnahme auf ausdrückliche Anregung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und auf Einladung von Kanzleramtschef Peter Altmaier (beide CDU) erfolge.
Nicht nur die Personalie Kapferer zeigt, dass die FDP weiterhin eine große Nähe zu Wirtschaftslobbyisten pflegt, die vor allem ein Interesse daran haben, dass Steuern gesenkt oder vermieden werden können. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki derzeit als Rechtsanwalt Hanno Berger vertritt, der als eine der Schlüsselfiguren bei den skandalösen Cum-Ex-Geschäften gilt. Dabei konnten Vermögende den deutschen Fiskus mithilfe eines Schlupflochs bei der Steuer austricksen. Trotz seiner dubiosen Kontakte ist Kubicki als neuer Bundesfinanzminister im Gespräch.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.