Koalition der Heuchler

Olaf Standke über Rüstungsexporte Berlins an ein Kriegsbündnis

  • Olaf Standke
  • Lesedauer: 2 Min.
Gerade hat sich der UN-Sicherheitsrat mit Irans Schuld an Raketenangriffen der Huthi-Rebellen auf Saudi-Arabien beschäftigt. Sie kämpfen in Jemen gegen Truppen des Präsidenten, der wiederum am Tropf einer von Riad geführten Militärkoalition hängt. Immer wieder wird Teheran vorgeworfen, trotz Waffenembargo den Konflikt durch Rüstungslieferungen anzuheizen. So gesehen gehörte auch Berlin auf die Anklagebank. Zwar gilt das Embargo nicht für alle Konfliktparteien, doch wirken deutsche Waffen ebenfalls als Brandbeschleuniger.

Allein im Vorjahr wurden erneut Exporte für rund 1,3 Milliarden Euro an die am Krieg beteiligten Länder genehmigt. Und das, obwohl inzwischen 20 Millionen Menschen unter der dramatischen Verschlechterung der Lebenslage in dem bettelarmen Wüstenstaat leiden. Dabei dürften Spannungsgebiete oder Länder, in denen Menschenrechte massiv verletzt werden, gar keine Waffen erhalten - auf dem Papier. Doch erst jetzt haben Union und SPD in ihren GroKo-Verhandlungen einen Exportstopp für alle vereinbart, die »unmittelbar« am Krieg in Jemen beteiligt sind.

Das kommt 6000 tote Zivilisten zu spät, und Ländernamen bleibt Schwarz-Rot weiter schuldig. So gehört auch Jordanien zu den Kriegsparteien, ein enger Verbündeter und Standort für Bundeswehr-Tornados. Amman kommt sogar in den Genuss direkter Rüstungshilfe. 130 Millionen Euro sollen es 2018 wieder sein. Von einem Stopp ist hier bei der Koalition der Heuchler keine Rede.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -