Extrem rechts kontaminiert
Personalie
Seit Wochenbeginn sind sie wieder da, die alten Rechtsextremismus-Vorwürfe gegen Andreas Edwin Kalbitz. Da hatte das ARD-Magazin »Kontraste« den heutigen Brandenburger AfD-Chef auf alten Fotos und Filmaufnahmen von 2007 unter den Teilnehmern eines Pfingsttreffens der »Heimattreuen Deutschen Jugend« (HDJ) entdeckt. Diese Nachfolgeorganisation der aufgelösten neonazistischen »Wiking-Jugend« hatte der Bundesinnenminister zwei Jahre später ebenfalls als rechtsextremistische Vereinigung verboten. War Kalbitz damals selbst ein Rechtsextremist?
Der 45-Jährige stellt das ausdrücklich in Abrede. »Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich aus einem rechtskonservativen Umfeld stamme«, sagt er dem »nd«. Das soll vermutlich auch seinen Flirt mit den »Republikanern« erklären, denen er als 21-Jähriger beigetreten war. Er habe sich immer die Freiheit genommen, sich selbst ein Bild von Dingen zu machen, die ihn interessierten. Hätte er das Anliegen der »Heimattreuen Deutschen Jugend« geteilt, wäre er dort tätig geworden. Doch das sei er nicht.
Dass Kalbitz nicht wusste, bei wem er da 2007 auf dem Bauernhof in Eschede zu Gast war, darf man getrost vergessen. Da hatte er gerade nach zwölf Jahren bei der Bundeswehr seinen Dienst als Berufssoldat inklusive politischer Bildung beendet. Bis heute sieht Kalbitz darin keinen Widerspruch. Auch nicht, was sein späteres Wirken im Verein »Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit« betrifft, der 1985 von früheren SS-Leuten gegründet wurde. Kalbitz stand ihm von 2014 und 2015 vor. »Die Vereinsgründer waren damals doch schon tot«, sagt er. Eine klare Distanzierung klingt anders.
Andreas Kalbitz ist nicht irgendwer. Er hat 2017 in Brandenburg das politische Erbe von Alexander Gauland angetreten, ist AfD-Landesvorsitzender und Frak᠆tionschef im Landtag. Maßstab seines politischen Handelns sei die freiheitlich-demokratische Grund᠆ordnung, sagt er. Nur, wer soll ihm das glauben, wenn er nicht entschieden mit deren Feinden bricht?
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