Land sucht dringend Ärzte
Rheinland-Pfalz setzt nun auf Studenten
Mainz. Auf dem Land wird der Ärztemangel bald deutlich greifbar sein, prognostizieren Ärzte und Regierung in Rheinland-Pfalz. Als Rezept gegen den Ärztemangel auf dem Land will die Ampel-Regierung bis spätestens 2021 eine Landarztquote einführen: Bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze sollen vorab für diejenigen reserviert werden, die sich bis zehn Jahre als Landarzt in Gebieten mit einem Mangel verpflichten. Das kündigte die Regierung am Freitag in Mainz an. Ein Zehntel der Studienanfänger der Unimedizin Mainz wären derzeit rund 20.
»Auf dem Land stellt es sich zunehmend schwerer dar, Ärztinnen und Ärzte in der Allgemeinmedizin zu finden«, sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). Sie sorgt sich darum, dass die Hausärzte im Durchschnitt immer älter werden: »Fast 40 Prozent sind über 60 Jahre.« Zugleich gingen nur noch rund zehn Prozent der Medizinstudenten in die Allgemeinmedizin.
Die Landarztquote soll die Lücken von Hausärzten auf dem Land schließen und Bewerbern ein Medizinstudium ermöglichen, die sich als Hausarzt in ländlichen Regionen verpflichten. Auch jemand mit lediglich gutem oder nur durchschnittlichem Abitur könne ein guter Arzt sein. Die Ministerin will dem Kabinett bald einen Gesetzentwurf vorlegen. Eine Kommission soll die Einsatzgebiete festlegen, wo junge Landärzte gebraucht werden. Wer die Verpflichtung nicht einhält, soll maximal 250 000 Euro Strafe zahlen.
Die Zahl der Medizinstudienplätze werde ab Wintersemester 2020/2021 um rund 20 pro Jahr steigen, kündigte Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) an.
FDP und Grüne im Landtag hatten sich zunächst skeptisch geäußert. Die FDP-Fraktion erklärte am Freitag jedoch, mit den Plänen werde dem Ärztemangel auf dem Land offensiv begegnet. Nach Ansicht der CDU-Opposition fällt der Ausbau der Studienplätze zu klein aus. Sie warnt davor, dass die Landarztquote auf Kosten der bisherigen Studienplätze geht.
Zwischen Eifel und Pfalz fehlen nach Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) bis 2022 rund 1600 Hausärzte, im jüngsten Versorgungsatlas ist von 2700 Hausärzten 2015 die Rede. dpa/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.