Tausende Studierende sind immer noch auf Wohnungssuche

Keine freien Plätze mehr in den Wohnheimen / Studierendenwerk rät Wohnungssuchenden: »Ziehen Sie nach außerhalb«

  • Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

Francesco Engelbert ist verzweifelt. »Ich suche schon seit zwei Monaten nach einer neuen Wohnung und checke dafür mehrmals täglich verschiedene Portale, auf denen WG-Zimmer für Studenten angeboten werden«, sagt der 20-Jährige, der seit dem Start des Wintersemesters vor gut einer Woche Kunstwissenschaften an der TU Berlin studiert. Bisher habe es aber nur Absagen gehagelt. »Ich hatte schon etliche Besichtigungen. Leider alle ohne Erfolg«, sagt Engelbert.

Wenigstens für eine Woche hatte er schon mal ein eigenes Dach über dem Kopf. Der Student war der glückliche Gewinner einer Auslosung des Onlinevermieters für Wohnwagen »Campanda« und durfte für sechs Tage in einem Caravan wohnen. Das Gewinnspiel sollte auf die Wohnungsnot der Studierenden aufmerksam machen. »Ich habe die Auszeit im Wohnmobil genossen«, sagt Engelbert. Jetzt hoffe er darauf, dass er bald eine passende Wohnung findet.

Wie Erstsemester Engelbert sind noch Tausende Studierende in Berlin auf Wohnungssuche. Das Studierendenwerk hat aktuell etwa 4300 Bewerber auf einen Platz im Studierendenwohnheim auf der Warteliste stehen. Das ist ein neuer Rekordwert. Abhängig von Lage und Ausstattung der Unterkunft muss ein Bewerber zwei bis drei Semester auf einen Wohnheimplatz warten.

Zuständig ist das Studierendenwerk derzeit für insgesamt rund 167 000 Studierende. Wohnheimplätze gibt es 9500. Die Durchschnittsmiete beim Studierendenwerk beträgt 227 Euro. »Wir selbst haben keine freien Plätze mehr, bei uns ist schon seit längerer Zeit alles belegt«, hatte die Geschäftsführerin des Studierendenwerks, Petra Mai-Hartung, zum Semesterstart gesagt.

Die Nachfrage ist aber weiterhin so groß, dass das Studierendenwerk jetzt ein eigenes Infocenter zum Thema Wohnen im Foyer der Mensa in der Hardenbergstraße eingerichtet hat. Dort werden Studierende nach Möglichkeit an private Wohnungsanbieter vermittelt. Vermieter können auf der Internetseite des Studierendwerks in einer Wohnungsbörse auch selber freien Wohnraum einstellen.

Das Studierendenwerk rät Wohnungssuchenden, verstärkt in Bezirken wie Spandau, Reinickendorf oder Treptow-Köpenick zu schauen. Von dort habe man zwar einen weiteren Anfahrtsweg zur Universität als etwa aus Kreuzberg oder Neukölln. Dafür fänden sich aber auch verfügbare und vor allem bezahlbare Einzimmerwohnungen und WG-Zimmer. »Fassen Sie sich ein Herz und ziehen Sie nach außerhalb«, hatte Mai-Hartung empfohlen.

Im Durschnitt geben Studierende in Berlin etwa 360 Euro für ihre Miete aus. Das hat die Sozialerhebung des Studierendenwerks herausgefunden. Die Mietausgaben lägen damit in der Hauptstadt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Dass die Mieten für Studierendenunterkünfte deutlich angezogen haben, bestätigt auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. In einer Studie kommt das Institut zu dem Schluss, dass Berliner Studierende seit 2010 inzwischen etwa 67 Prozent mehr für Wohnraum ausgeben müssen.

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