Guaidó spielt mit dem Feuer

Tobias Lambert über den Putschversuch in Venezuela

  • Tobias Lambert
  • Lesedauer: 2 Min.

Juan Guaidós Versuch, den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch einen Militärputsch aus dem Amt zu drängen, wirkt auf seltsame Art und Weise improvisiert. Offenbar wollte der venezolanische Oppositionsführer mit den inszenierten Bildern, die ihn neben Soldaten und seinem aus dem Hausarrest befreiten Mentor Leopoldo López zeigten, eine Kettenreaktion in Gang setzen. Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass Guaidó doch noch einen Trumpf in der Hinterhand hält. Nur deutet bisher nicht viel darauf hin. Mit ein paar bewaffneten Soldaten jedoch eine Autobahn zu besetzen, ohne sich eines breiten Rückhalts im Militär sicher zu sein, gleicht einem Spiel mit dem Feuer. Hätten sich größere Truppenkontingente hinter Guaidó gestellt, andere weiterhin die Regierung gestützt, wären Tote wohl unvermeidlich gewesen.

Dass Guaidó für seinen Kurs noch immer zahlreiche Regierungen hinter sich weiß, ist daher skandalös. Auch der deutsche Außenminister Heiko Maas versicherte dem selbsternannten Interimspräsidenten erneut die Unterstützung der Bundesregierung. »Was wir nicht wollen ist, dass die Waffen sprechen«, fügte er jedoch hinzu. »Wir brauchen eine politische, keine militärische Lösung.«

Doch auf diese setzt Guaidó. Statt ihn weiterhin zu unterstützen, sollten sich die Bundesregierung und andere politische Akteure umgehend für eine Verhandlungslösung des venezolanischen Konflikts stark machen. Alles andere nimmt einen möglichen Gewaltausbruch bewusst in Kauf.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.