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Denkpause fürs Humboldt-Forum
Tomas Morgenstern hofft, dass die Zeit den Ausstellungen zugute kommt
Irgendwie hat man den Eindruck, dass es sich bei der abermaligen Terminverschiebung am Humboldt-Forum um eine sich selbst erfüllende Prophezeiung handelt. Zu oft wurde in jüngster Zeit orakelt, dass das Projekt, dessen Kosten sich im vergangenen Herbst infolge von Verzögerung beim Bau auf 644,2 Millionen Euro verteuert hatten, auch in diesem Jahr vor Erreichen der Ziellinie straucheln würde. Nun hat die Coronakrise dafür gesorgt, dass notwendige Nachfragen wohl nicht allzu scharf gestellt werden.
Die Verzögerungen bei der Fertigstellung werden jedenfalls auf die gleichen Ursachen zurückgeführt, nur dass diesmal nicht die erhitzte Baukonjunktur, sondern eben die Pandemie die Begründung dafür liefert. Klar ist, dass der Bauherr peinlich genau darauf achten muss, dass die technische Ausrüstung der Ausstellungsräume höchsten Standards genügt - bei der Klimatisierung und natürlich auch der Sicherheit. Sonst stellt kein auswärtiges Museum, keine Institution und kein Sammler im In- und Ausland seine kostbaren Exponate dem Humboldt-Forum zur Verfügung. Gerade Berlin darf sich hier keine Panne leisten. Insofern ist es vielleicht ganz gut, wenn an der sensiblen Technik ohne Zeitdruck nachgearbeitet werden kann.
Zu hoffen wäre, dass die durch die Coronakrise erzwungene zeitliche Verlängerung auch der konzeptionellen Arbeit zugute kommt. Die geplanten Ausstellungen müssen auf der Höhe der Zeit sein und spektakuläre Exponate zeigen, deren Herkunft allerdings dann aber auch über jeden Zweifel erhaben ist. Den Ausstellungsmachern ist sicheres Gespür und eine glückliche Hand bei der sogenannten Provenienzforschung zu wünschen, um auszuschließen, dass etwa Kulturgüter den Weg in das Forum finden, die auf Raub und koloniale Ausplünderung zurückgehen. Wie gesagt: Etwas mehr Zeit dafür hätten sie nun immerhin.
Ach ja, und dem Schlossförderverein fehlen auch noch fünf Millionen Euro - bis dahin.
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