Murdoch kauft Dow Jones

Mogul will Wirtschaftsmedien in den USA dominieren

  • William Hiscott
  • Lesedauer: 3 Min.
Nach langem Ringen um die Zustimmung der Eigentümer hat Rupert Murdoch sein Ziel erreicht: Das »Wall Street Journal« wird zum Kronjuwel seines Medienimperiums.
Seit über 100 Jahren misst das »Wall Street Journal« unter der Obhut der weitverzweigten Bancroft-Familie den Puls der US- und Weltwirtschaft wie kaum eine andere Zeitung. Mit der Zustimmung einer Mehrheit der Familienmitglieder, die insgesamt 64 Prozent der Stimmrechte besitzen, geht die Zeitung mit dem gesamten Medienkonglomerat Dow Jones nun an News Corp., das Unternehmen des australischen Medienzars Rupert Murdoch. Auch der Vorstand stimmte dem Deal jetzt zu. Insider zufolge war die Höhe des Angebots von über fünf Milliarden Dollar - ein Aufpreis von Zwei-Drittel gegenüber dem vorherigen Aktienwert - ausschlaggebend für die jüngere Generation der in den letzten Dekaden zunehmend passiven Eigentümerfamilie. Obwohl News Corp. bereits ein weltweites Netz von über 100 Zeitschriften, Fernsehkanälen und Webseiten umspannt, gilt der Kauf des »Wall Street Journal« - mit einer Auflage von zwei Millionen Exemplaren die zweitgrößte Tageszeitung in den USA - als Murdochs bislang größter Deal. Zu Dow Jones gehören aber auch zahlreiche Finanzzeitschriften wie die Elitenpostille »Barron's«, eine Reihe von Lokalzeitungen, die Finanzpresseagentur »Dow Jones« und die Web-seite »MarketWatch«. Der Kauf markiert eine weitere Etappe in der Neustrukturierung des US-Zeitschriftenmarktes. Vorausgegangen war 2006 der Verkauf des auf Regionalzeitschriften fokussierten Unternehmens Knight Ridder an den Westküsten-Zeitungsmacher James McClatchy. Anfang 2007 wechselte zudem die Tribune Company, Herausgeber der »Chicago Tribune« und der »Los Angeles Times«, die Besitzer. Der Erwerb von Dow Jones und dessen Flaggschiffs wird als Krönung des Geschäftsweges des 76-jährigen Murdoch bezeichnet. Doch der Medienmogul plant möglicherweise einen breit angelegten Vorstoß auf die Dominanz bei der Wirtschaftsberichterstattung insgesamt. Im Oktober geht sein Fernsehkanal »Fox Business« erstmals auf Sendung in den USA. Erreichen wird er zunächst »nur« 30 Millionen Zuschauer. Mittelfristig will News Corp. aber die weltweit erfolgreichen Wirtschaftskanäle Bloomberg und CNBC einholen. Das »Wall Street Journal« ist bis 2012 vertraglich an CNBC gebunden, womit die möglichen Synergieeffekte mit »Fox Business« ausbleiben würden. Darüber hinaus plant News Corp. den Ausbau der Webpräsenz bei Finanznachrichten. Insider berichten zudem über eine Bereitschaft Murdochs zu einer kräftigen Finanzspritze für das »Wall Street Journal«, um die lokale Konkurrenz der »New York Times« herauszufordern und auch eine größere nationale Leserschaft für sich zu gewinnen. Im weltweiten Markt plane News Corp. eine Stärkung der Europa- und Asienpräsenz. Somit könnte der Kauf von Dow Jones durch Murdoch eine weltweite Verschiebung am Zeitungsmarkt mit sich bringen. Gegründet 1882 von den Wirtschaftsjournalisten Charles Dow und Edward Jones, war das Ziel der »Wall Street Journal« stets, die Sache des Kapitalismus zu vertreten. In den letzten Jahrzehnten war das wirtschaftsliberale Blatt politisch häufig im Einklang mit der populistisch orientierten konservativen Bewegung in den USA, die medial von Murdochs »Fox News« geführt wird. Doch es gibt auch Befürchtungen. So erklärte James H. Ottaway jr., ein widerständiger Aktionär von Dow Jones: »Ich hoffe, dass Rupert Murdoch bei seinem Versprechen bleibt, die einzigartige Qualität und Integrität des "Wall Street Journal" zu schützen.«
Wir-schenken-uns-nichts
Unsere Weihnachtsaktion bringt nicht nur Lesefreude, sondern auch Wärme und Festlichkeit ins Haus. Zum dreimonatigen Probeabo gibt es ein Paar linke Socken und eine Flasche prickelnden Sekko Soziale – perfekt für eine entspannte Winterzeit. Ein Geschenk, das informiert, wärmt und das Aussteiger-Programm von EXIT-Deutschland unterstützt. Jetzt ein Wir-schenken-uns-nichts-Geschenk bestellen.

Das »nd« bleibt gefährdet

Mit deiner Hilfe hat sich das »nd« zukunftsfähig aufgestellt. Dafür sagen wir danke. Und trotzdem haben wir schlechte Nachrichten. In Zeiten wie diesen bleibt eine linke Zeitung wie unsere gefährdet. Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung nach oben zeigt, besteht eine niedrige, sechsstellige Lücke zum Jahresende. Dein Beitrag ermöglicht uns zu recherchieren, zu schreiben und zu publizieren. Zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit deiner Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Sei Teil der solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -