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Die Welt ist nicht genug
Simon Poelchau über den Erdüberlastungstag
Diesen Samstag ist es wieder so weit: Die Menschheit hat so viele Ressourcen verbraucht und schädliche Emissionen erzeugt, wie in einem Jahr von der Erde erzeugt und regeneriert werden kann. Alles was jetzt noch hinzukommt, ist zu viel und eine Bürde für die Zukunft. Dass der Erdüberlastungstag dieses Jahr drei Wochen später ausfällt, ist jedoch kein Zeichen für Entwarnung. Denn der Grund dafür liegt nicht in mehr Nachhaltigkeit, sondern in der Coronakrise, die die Wirtschaft ins Stocken brachte.
So betreibt die kapitalistische Produktionsweise nicht nur in unverminderter Weise Raubbau am weniger privilegierten Teil der Weltgesellschaft, sondern auch an Natur und Umwelt. Der Amazonas wird weiter abgeholzt, US-Präsident Donald Trump will in einem Naturschutzgebiet in Alaska nach Öl bohren lassen und der Plastikmüll im Meer könnte sich einer Prognose zufolge bis 2040 fast verdreifachen.
Hierzulande hat man das Problem zwar immerhin auf dem Schirm, die Bundeskanzlerin trifft sich gerne auch mal mit jungen Klimaschützerinnen, doch wirklich etwas an der ruinösen Wirtschafts- und Lebensweise will man nicht ändern. Ein gutes Beispiel dafür sind die neun Milliarden Euro, die die Lufthansa zur Rettung vom Staat bekommt. Auflagen für mehr Klimaschutz, zum Beispiel die Abschaffung von Inlandsflügen: Fehlanzeige. Auch der Bundesverkehrsminister will schnell mal 190 Kilometer von Hamburg nach Sylt fliegen können.
So wird es auch weiterhin jedes Jahr heißen: »Die Welt ist nicht genug.« Doch es gibt nur diese eine.
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