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Airport startet im Sparmodus

Flughafenaufsichtsrat: Ab 25. Oktober gilt Luftfahrt-Code BER am Standort Berlin

  • Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Mitten in der Corona-Pandemie wird Berlin zum angekündigten Termin am 31. Oktober seinen neuen Flughafen Berlin Brandenburg »Willy Brandt« eröffnen. Damit sieht sich das mit neun Jahren Verzögerung fertiggestellte Prestigeprojekt BER von Anbeginn mit der schwersten Krise der Luftfahrt nach dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert, wie Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup in jüngster Zeit immer wieder betont. Und so wird die Inbetriebnahme begleitet von rigiden Sparanstrengungen. Darauf verwiesen Rainer Bretschneider, Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) und Lütke Daldrup am Freitagnachmittag nach der Aufsichtsratssitzung vor der Presse.

Seit dem Lockdown im März habe man zwischen 50 und 60 Millionen Euro im Unternehmen und mehr als 120 Stellen eingespart, so der Flughafenchef. An diesem Kurs werde man festhalten. »Wir werden in den nächsten Jahren etwa 400 Arbeitsplätze abbauen«, kündigte er an. Dies solle sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen geschehen. Die Zahl der Mitarbeiter werde dann bei 1700 bis 1800 liegen.

»Die Inbetriebnahme des BER ist weiter auf einem guten Weg«, stellte Aufsichtsratschef Bretschneider klar. »Aber die finanziellen Herausforderungen durch Corona werden noch deutlicher im Fokus stehen.«

Die ungewisse Entwicklung des Luftverkehrs in den kommenden Jahren und die Auswirkungen auf die Finanzen der Flughafengesellschaft stand zweifellos im Mittelpunkt der Aufsichtsratssitzung. So habe das Gremium erstmals Vorüberlegungen zum Wirtschaftsplan 2021 erörtert, hieß es. Wie bereits im laufenden Jahr muss damit gerechnet werden, dass durch die Coronakrise und den massiv ausbleibenden Flugverkehr zusätzlicher Finanzbedarf besteht. Das bestätigte auch Flughafenchef Lütke Daldrup vor der Presse. Den im März angenommene zusätzliche Finanzierungsbedarf von 300 Millionen Euro für 2020 habe man durch eigene drastische Sparmaßnahmen wie Kurzarbeit, Einstellungsstopp und Budgetkürzung im Gesamtumfang auf rund 250 Millionen Euro reduzieren können.

Wegen der Covid-19-Pandemie ist auch die Entwicklung des Flugbetriebs im nächsten Jahr nur sehr schwer zu prognostizieren. Im Rahmen der kommenden Aufsichtsratssitzungen und insbesondere auf einer für Januar anberaumten Klausurtagung des Aufsichtsrates würden deshalb Finanzfragen das zentrale Thema bleiben. »Wir werden weiterhin daran arbeiten, unsere Prozesse so effizient und kostengünstig wie möglich zu machen«, erklärte Engelbert Lütke Daldrup. »Die Hilfe unserer Gesellschafter werden wir auf Jahre benötigen.«

Der Flughafenchef rechnet für diesen Herbst pandemiebedingt mit einem neuerlichen, leichten Rückgang im Luftverkehr auf 25 bis 30 Prozent des Vor-Corona-Niveaus. Eine nachhaltige Erholung der Brache hänge vor allem von der Entwicklung des Pandemiegeschehens sowie künftigen Erfolgen bei der Therapie beziehungsweise der Bereitstellung eines wirksamen Impfstoffes ab.

Laut Lütke Daldrup läuft das Inbetriebnahmeprogramm erfolgreich. Zwei Drittel der Testläufe seien absolviert, am 15. Oktober werde der Probebetrieb enden. Der Eröffnungsprozess erstreckt sich über zwei Wochen von der Umbenennung des Flughafens Berlin-Schönefeld in »BER Terminal 5« am 25. Oktober bis zum letzten Flug von Tegel. Höhepunkt ist die Dienstaufnahme des Terminals 1 am 31. Oktober mit der zeitgleichen Landung zweier Flugzeuge von Easyjet und Lufthansa. Wie Lütke Daldrup betonte, werde man nicht zuletzt unter Berücksichtigung der Corona-Bedingungen die Eröffnung in eher bescheidenem Umfang feiern. »Es wird keine große Party geben«, betonte er. Die ersten Abflüge vom BER werde es am 1. November geben. Der Umzug von Tegel zum BER erfolge in drei Etappen bis zum 7. November. Am 8. November werde man den Flughafen Tegel würdig verabschieden.

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