Strukturelle Einzelfälle
Andrea Blumtritt kritisiert Sexismus im Ministerium in Sachsen-Anhalt
Wie lange spricht jemand? Wie steht es um die Aufmerksamkeit? Neben der paritätischen Besetzung in Gremien und der gleichen Bezahlung war Andrea Blumtritt als Landesgleichstellungsbeauftragte von Sachsen-Anhalt auch eine andere Art der Rede ein wichtiges Anliegen. Als sie im November 2017 ihre Position angetreten hatte, füllte sie eine mehr als zehn Jahre andauernde Lücke in Sachsen-Anhalt.
Jetzt, drei Jahre später, verlässt sie die Stelle als Landesgleichstellungsbeauftragte. Am Dienstag veröffentlichte der MDR Sachsen-Anhalt Auszüge ihrer Abschiedsmail, die sie an 150 Mitarbeitende verschickt hatte. Blumtritt bedauerte in dieser, dass sie »mit großer Bestürzung zur Kenntnis nehmen« muss, dass »der Hass und die Verachtung für gleichstellungspolitisches Arbeiten auch in diesem Haus angekommen sind und ihr widerliches Gesicht zeigen«.
Laut MDR habe Blumtritt zwei anonyme Zettel mit Hassbotschaften über die Hauspost des Ministeriums erhalten. Während ein Pressesprecher bestritt, dass es sich hierbei um ein strukturelles Problem handele, schrieb Blumtritt in ihrer Abschiedsmail: »Wie wollen wir eine demokratische Gesellschaft gegenüber den zerstörerischen Angriffen rechter Einpeitscher verteidigen, wenn in den Reihen des Ministeriums deren Argumente geteilt werden?« Externe Beratung sei dringend nötig, um zu verhindern, dass die im Haus vorhandene Geringschätzung der Gleichstellungspolitik ihr Zerstörungswerk fortsetzen könne. Die promovierte Ethnologin, die früher zentrale Frauenbeauftragte der Freien Universität Berlin war und als Fachreferentin in der Berliner Senatsverwaltung gearbeitet hatte, wechselt jetzt in ins sächsische Justizministerium. Der auf sie gerichtete Hass von Ministeriumsmitarbeitern konnte nicht verhindern, dass sie die Missstände zum Abschied noch mal offensiv dargelegt hat.
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