Klarer Favorit

Personalie: Marcelo Rebelo de Sousa

  • Peter Steiniger
  • Lesedauer: 2 Min.

Es wäre schon ein Ding, sollte Portugals bisheriger Staatschef, Marcelo Rebelo de Sousa, an diesem Sonntag nicht für eine zweite Amtszeit gewählt werden. Unter den sieben Kandidaten ist der Platzhalter - ein Konservativer mit Herz - klarer Favorit. Weniger berechenbar ist, wie sich eine niedrige Wahlbeteiligung im Ergebnis niederschlagen könnte. Fast die Hälfte der Portugiesen zeigt nach Umfragen an der Abstimmung wenig oder kein Interesse, viele wären angesichts der Pandemie für eine Verschiebung. Auch die Frustration im Land darüber, wen die Corona-Maßnahmen treffen und wen sie verschonen, wer die Zeche zahlt, ist groß. Dennoch dürfte Marcelo, wie ihn die Portugiesen meist nennen, die Sache wie vor fünf Jahren in der ersten Runde für sich entscheiden, zumal die regierenden Sozialisten darauf verzichtet haben, ihm offiziell Konkurrenz zu machen.

Der heutige Präsident wurde 1948 in Lissabon geboren und ist ein guter Katholik. Seine Mutter war Sozialarbeiterin, der Vater brachte es zum Gouverneur der Kolonie Mosambik und Minister des klerikalfaschistischen Salazar-Regimes. In der Jugend ein Musterschüler, absolvierte Marcelo von 1966 bis 1971 ein Jurastudium an der Universität Lissabon. Ein Jahrzehnt nach der Nelkenrevolution von 1974 machte er einen Doktor in den juristisch-politischen Wissenschaften. Auf demselben Gebiet habilitierte er sich 1990. Der Verfassungsrechtler ist zugleich ein profilierter Journalist, schrieb zu politischen und gesellschaftlichen Themen für renommierte Zeitschriften und arbeitete als Kommentator für Funk und Fernsehen. Seine politische Laufbahn begann in oppositionellen Zirkeln und führte ihn nach der Rückkehr Portugals zur Demokratie zur rechtsliberalen PSD und 1975 in die Verfassunggebende Versammlung. 1996-1999 stand er der Partei vor, 1997-1999 war er Vizepräsident der Europäischen Volkspartei. Als Intellektueller breit geachtet, wird er von links dafür kritisiert, sich überparteilich zu geben, aber in der Praxis, etwa in Etatfragen, einen Block von Sozialisten und Mitte-rechts zu befördern. Peter Steiniger

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