- Kultur
- »Die letzte Instanz«
WDR richtet Arbeitsgruppe zum Thema Rassismus ein
Integrationsbeauftragter Krtalic zu »Die letzte Instanz«: »Die Sendung war misslungen und uns in der Öffentlichkeit auch geschadet«
Köln. Nach der scharfen Kritik am TV-Talk »Die letzte Instanz« hat der Westdeutsche Rundfunk eine Arbeitsgruppe zum Thema Rassismus gegründet. Das Gremium unter Leitung der WDR-Integrationsbeauftragten Iva Krtalic solle sich mit den möglichen strukturellen Folgen beschäftigen, teilte der Sender am Donnerstag in Köln mit. Dabei gehe es um die Frage, wie der WDR die laufende Diskussion und Kritik im Programm aufgreifen könne. Ziel sei unter anderen, Sendungen »noch diverser« zu besetzen.
In der Ende Januar als Wiederholung gesendeten Talkrunde vom 29. November 2020 hatte Moderator Steffen Hallaschka mit den Gästen Micky Beisenherz, Thomas Gottschalk, Janine Kunze und Jürgen Milski aktuelle gesellschaftliche Themen diskutiert, darunter auch rassistischen Sprachgebrauch und die Frage »Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?«. Nicht nur Vertreter von Minderheiten kritisierten unter anderem die Äußerungen und die Tatsache, dass in der Runde keine Menschen mit Migrationshintergrund vertreten waren. Sowohl der WDR als auch einige der Teilnehmer baten im Nachhinein für die Sendung um Entschuldigung.
Die WDR-Integrationsbeauftragte Krtalic erklärte, dass »die Sendung misslungen war und uns in der Öffentlichkeit auch geschadet hat«. Gleichwohl biete die aktuelle Debatte auch eine Chance, um über Vielfalt im WDR, Interkulturalität und Rassismus zu diskutieren. Im Rahmen eines Projekts sollten die Themen nun intensiviert und Maßnahmen schneller umgesetzt werden. Zugleich verwies Krtalic darauf, dass der WDR laut einer Studie bereits Vorreiter auf dem Gebiet der kulturellen Vielfalt sei.
Unter dem Namen »Willkommen Zuhause« startete unterdessen die RTL-Mediengruppe einen TikTok-Kanal, der ab sofort zum Thema »Alltagsrassismus« informiert und aufklärt. Das Projekt ist den Angaben zufolge zunächst auf sechs Monate angelegt. Moderiert werden die Beiträge von der Journalistin Kémi Fatoba, die sich in ihrer Arbeit mit Themen wie Repräsentation, Identität und Kultur auseinandersetzt. »Alltagsrassismus beginnt, wie jede andere Form der Diskriminierung, mit Worten, Denkmustern und Handlungen, die oft unbewusst passieren«, sagte sie. »Sobald man sich bewusstmacht, dass all diese Dinge angelernt sind, kann man sie auch wieder verlernen.« epd/nd
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