Olympias Chefin
Seiko Hashimoto soll Tokios Spiele doch noch zum Erfolg führen
Die Kriterien für die neue Personalie schienen streng: Nicht nur profundes Wissen zu Olympischen und Paralympischen Spielen sollte sie haben. Auch Erfahrungen auf internationaler Bühne müsste sie mitbringen sowie hohe Organisations- und Führungsqualitäten. Den schwierigen Stand um die Spiele von Tokio sollte sie kennen - wie auch die brennenden Themen Geschlechtergleichheit und Diversität.
Der Führungsposten im Organisationskomitee für die um ein Jahr auf Juli 2021 verschobenen Spiele von »Tokyo 2020« war nach dem Rücktritt Yoshiro Moris vakant geworden. Die Wahl wird wohl auf Olympiaministerin Seiko Hashimoto fallen. Das berichtete am Mittwoch Japans öffentlich-rechtlicher Rundfunksender NHK unter Bezugnahme auf interne Quellen. Noch diese Woche soll ihr Jobwechsel offiziell verkündet werden.
Die 56-jährige Hashimoto wäre vordergründig eine passende Wahl. Mori geriet Anfang Februar schwer in die Kritik, nachdem er Frauen die Schuld an lang andauernden Meetings gegeben hatte. Danach distanzierten sich diverse Persönlichkeiten von ihm. »Tokyo 2020« verlor auch Hunderte freiwillige Helfer. Indem Mori nun eine Frau folgt, zeigen die Verantwortlichen, dass sie die Ansichten ihres Ex-Chefs nicht teilen. Hashimoto erscheint auch sonst qualifiziert. Im Eisschnelllauf und als Bahnradfahrerin nahm sie sowohl an Winter- als auch an Sommerspielen teil. 1992 holte sie auf dem Eis von Albertville sogar Bronze. Seit 2019 agiert Hashimoto als Ministerin in Japans Regierung und verfolgt die komplizierten Geschehnisse schon länger aus der Nähe.
Auch Moris verbale Entgleisung blieb ihr nicht verborgen. Aber wie andere Regierungsmitglieder hielt sich Hashimoto, die sich persönlich hätte angegriffen fühlen können, auffallend mit Kritik zurück. Ob sich die konservative Politikerin also für das Ziel eignet, nun die Geschlechtergleichheit voranzutreiben, bleibt ungewiss.
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