Wie viel ist ein Kind wert?

Standpunkt: Cyrus Salimi-Asl über fehlende Hilfsbereitschaft für Jemen

  • Cyrus Salimi-Asl
  • Lesedauer: 2 Min.

»Kindheit im Jemen ist eine besondere Art der Hölle.« Das sagte UN-Generalsekretär António Guterres bei der Geberkonferenz in Genf. Deutlicher lässt sich die Situation in dem Land nicht beschreiben. Dennoch knausern die Staaten und rücken nicht mit den nötigen Milliarden raus, um den Menschen im Jemen zu helfen. Die Konferenz-Organisatoren wollten 3,85 Milliarden US-Dollar eintreiben, nicht mal die Hälfte kam zusammen: etwa 50 Euro pro Einwohner. Eine Schande!

Dabei überbieten sich die Regierungen seit Jahren darin, die eine oder andere Kriegspartei zu verurteilen, das Elend der Menschen zu bedauern und ein Ende des Krieges zu fordern. Jetzt, wo es ums Überleben geht, zeigt sich die sogenannte internationale Staatengemeinschaft klamm. Dabei muss den Jemeniten sofort geholfen werden, damit sie nicht mehr auf Müllkippen nach Essen wühlen müssen. 400 000 jemenitische Kinder sind akut vom Hungertod bedroht, sagt die Uno.

Für Waffen war in den vergangenen Jahren dagegen immer ausreichend Geld da. Reichlich beliefert wurden die Staaten, die Jemen mit ihren Bomben erst zur Hölle gemacht haben: Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Deutschland lieferte 2020 den Emiraten Rüstungsgüter im Wert von 51,3 Millionen Euro. Nun will die Bundesregierung 200 Millionen Euro für Hilfsleistungen springen lassen. Ein Rüstungsexportstopp schon vor Jahren wäre den Finanzminister billiger gekommen und hätte viel Leid verhindern können. Wenn ein Kind wegen eines Kriegs hungern muss, ist keine Zeit zu diskutieren, wer den Krieg begonnen hat: In der Zwischenzeit ist das Kind verhungert. »Es ist eine einzig von Menschen gemachte Hungersnot, eine Entscheidung von Mächtigen über Machtlose«, sagt der UN-Nothilfekoordinator, Mark Lowcock. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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