Eingelocht
Personalie
Vladimír Pčolinský, Chef des slowakischen Geheimdienstes SIS, wurde am Donnerstag von einer Spezialeinheit der Kriminalpolizei NAKA verhaftet. Der Vorwurf: Bestechlichkeit und ungesetzliches Einstellen eines Ermittlungsverfahrens. Staatspräsidentin Zuzana Čaputová verfügte sogleich die vorläufige Suspendierung des SIS-Bosses.
Erst im April 2020 war Pčolinský von der aus vier Partnern bestehenden Koalitionsregierung unter Igor Matovič zum obersten Geheimdienstler ernannt worden - auf Vorschlag von Parlamentspräsident Boris Kollár, Chef der rechten Partei Sme rodina (Wir sind eine Familie), der auch Pčolinský angehört. »Familie« ist hier wörtlich zu nehmen, auch Pčolinskýs Ehefrau ist Abgeordnete von Sme rodina, sein Bruder Peter steht der siebzehnköpfigen Fraktion im Nationalrat vor.
Bislang wollte sich die Staatsanwaltschaft nach der Verhaftung Pčolinskýs nicht genauer zu den Tatvorwürfen äußern. Slowakische Medien verbreiten jedoch, diese hingen mit Ermittlungen gegen den Unternehmer Zoroslav Kollár zusammen. Kollár soll eine hübsche Summe an Pčolinský gezahlt haben, damit der Geheimdienst SIS Nachforschungen zu ihm einstellt. Pčolinskýs ehemaliger Stellvertreter Boris Beňa soll bei der Geldübergabe dabei gewesen sein. Beňa sitzt ebenfalls in Untersuchungshaft und hat sich entschlossen, mit der Polizei zusammenzuarbeiten.
Über Pčolinský ist - wie für einen Geheimdienstchef üblich - in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Der 1978 Geborene arbeitet seit mehr als 20 Jahren im slowakischen Innenministerium. 2002 wurde Pčolinský Berater des Innenministers. Ab 2006 leitete er das Büro des Ministers, in gleicher Funktion war er 2012 anzutreffen. Durch den Dienst für die Minister Lipšic und Kaliňák war Pčolinský mit den Vorgängen der »Affäre Gorilla« vertraut, der größten Korruptionsaffäre der Slowakei, in die Spitzenvertreter aller Parteien verwickelt waren. Im Zentrum stand der Millionär Marian Kočner, der als Auftraggeber des Mordes am Investigativjournalisten Ján Kuciak angeklagt wurde. Jindra Kolar, Prag
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.