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Pfleglich mit Pflegern umgehen
Andreas Fritsche zur Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland
Es ist ein bisschen wie bei den Lehrern. Erst hat die Politik es sehenden Auges verschlafen, rechtzeitig genug Lehrer auszubilden. Nun müssen die Bundesländer in großem Umfang auf Quereinsteiger zurückgreifen. Bei der Pflege ist es ähnlich. Jetzt ist es zu spät, um allein durch die Ausbildung von Schulabgängern und die Qualifizierung von Arbeitslosen genug Pflegekräfte aufzutreiben. Es bleibt gar nichts anderes übrig, als Personal aus dem Ausland anzuwerben.
Die Menschen, die aus Asien hergelockt werden, bringen viel Kompetenz mit: Auf den Philippinen beispielsweise ist die Ausbildung anspruchsvoller als in Deutschland, und in China wird die Jugend zur Achtung vor dem Alter erzogen, während Senioren in Deutschland skandalöserweise oft wie Ballast behandelt werden.
Ein Skandal ist es allerdings auch, die positiven Eigenschaften des Personals aus Asien so schamlos auszunutzen, wie es nicht selten geschieht. Es ist beispielsweise durchaus in Ordnung, wenn das kommunale Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum 20 junge Vietnamesen zur Ausbildung nach Deutschland holt, um für die Zukunft genug Personal zu haben. Es wäre aber darüber hinaus auch angezeigt, endlich Tarif zu zahlen, damit Krankenschwestern nicht wegen der besseren Löhne nach Berlin abwandern. Generell würde es in der Bundesrepublik helfen, mehr Pflegepersonal einzustellen, damit nicht so viele Pflegekräfte ihren Beruf wegen Überlastung aufgeben.
Dass aber der Pflegenotstand allein mit besserer Bezahlung und mehr Ausbildung kurzfristig nicht zu beenden ist und Fachkräfte aus dem Ausland deshalb unverzichtbar sind, das zeigen Beispiele der Volkssolidarität und des Städtischen Klinikums in Brandenburg/Havel. Denn diese zahlen Tarif. Das Klinikum hat obendrein einen Tarifvertrag zur Entlastung im Pflegebereich abgeschlossen. Und beide holen trotzdem, weil das nicht ausreicht, Personal von den Philippinen.
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