Der Wahlkampf bestimmt die Party

Buntes Online-Programm beim 14. Fest der Linken

  • Peter Nowak
  • Lesedauer: 3 Min.

Seit Beginn der Corona-Pandemie streamt der Jazz-Musiker Andrej Hermlin allabendlich ein Konzert seiner Band »The Swinging Hermlins« live aus seinem Haus in Berlin-Pankow. Am Samstag war das Wohnzimmerkonzert Teil der 14. Ausgabe des Festes der Linken. Wie im vergangenen Jahr konnte die Veranstaltung pandemiebedingt nur online verfolgt werden. In knapp drei Stunden wurde dabei ein umfangreiches kulturelles und politisches Programm geboten, an dem auch das »nd« als Mitveranstalterin beteiligt war. Mitarbeiterin Marie Hecht stellte dort den neuen nd-Podcast »Rote Brause« vor.

Sappho Wohlgemuth vom Berliner Ratibor-Theater beklagte derweil im Gespräch mit dem parlamentarischen Geschäftsführer der Linksfraktion, Jan Korte, die fehlende Planungssicherheit für Kulturarbeiter*innen in Zeiten von Corona. Korte sagte, für ihn gehöre auch die Eckkneipe zur Kultur. Dort habe es noch Menschen gegeben, die rechtem Stammtischgerede widersprechen. Im Internet falle dieses Korrektiv weg, klagte Korte.

Auf dem Fest wurde auch die coronabedingt verschobene Verleihung des Clara-Zetkin-Frauenpreises an die Initiative Dziewuchy nachgeholt, in der sich in Berlin lebende lebende Polinnen zusammengeschlossen haben, um gegen die restriktiven Abtreibungsgesetze in ihrem Land zu kämpfen. Eine Vertreterin von Dziewuchy trug eine Maske mit der Parole »Weg mit dem Paragraf 218« und machte damit deutlich, dass auch in Deutschland das Selbstbestimmung von Frauen über ihren eigenen Körper nicht verwirklicht ist.

Die Wahlen der nächsten Monate prägten das weitere Programm. Linksfraktionschef Dietmar Bartsch nahm zu den Aussichten seiner Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am kommenden Wochenende Stellung. Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt stärkste Fraktion werden, während die Linke schon froh wäre, wenn sie über zwölf Prozent komme, erklärte der Politiker. Trotzdem gelte es weiterzukämpfen gegen Rechts und gegen kapitalistische Entsolidarisierung, mahnten Bartsch und Parteichefin Janine Wissler. Die beiden treten als Spitzenduo der Linken zur Bundestagswahl im September an.

Konflikte innerhalb der Linken kamen auf dem Fest kaum zur Sprache. So wurde die durch Sahra Wagenknecht neu entfachte Debatte um linke Identitätspolitik in der Talkrunde zwischen dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer und der Drag Queen Gloria Viagra, die für die Linke bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus kandidiert, nur gestreift. Auch nur indirekt ging Dietmar Bartsch auf die Diskussion ein, die der Slogan »Nehmt den Wessis das Kommando« der Linken in Sachsen-Anhalt ausgelöst hat. Er monierte, dass im Kabinett der Landesregierung in Magdeburg lediglich zwei aus Ostdeutschland stammende Minister*innen sitzen. Mit Wissler betonte er, dass sich die Linke auf die die Themen soziale Gerechtigkeit und Friedenspolitik konzentrieren solle. Bartsch sieht in der Forderung nach einer Vermögensabgabe ebenso ein Alleinstellungsmerkmal der Linken wie in einer konsequenten Abrüstungspolitik.

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -