Kleine Anfrage der Unionsfraktion: Opa gegen’s Recht

Anton Benz über eine gar nicht so kleine Anfrage mit großer Bedeutung

»Demokraten auf die Straßen« – aber bitte keine Organisationen, die staatlich gefördert werden, und bitte auch nichts gegen Friedrich Merz sagen.
»Demokraten auf die Straßen« – aber bitte keine Organisationen, die staatlich gefördert werden, und bitte auch nichts gegen Friedrich Merz sagen.

Eine Anfrage, die zwar kurz vor der Bundestagswahl gestellt, aber erst danach öffentlich wird, ist nicht mehr Teil des Wahlkampfes. Sie ist ein Exempel für jene Art von Politik, die CDU und CSU unter Friedrich Merz anstreben – ein weiterer Schritt weg von einer liberal-konservativen hin zu einer rechtspopulistischen Partei, die die »eigene« Bevölkerung vor Einwanderung einerseits und einer linken Elite andererseits schützen möchte.

Die Anfrage enthält verschwörerisches Geraune über NGOs, die als Teil einer vermuteten »Schattenstruktur« im Verborgenen Politik betrieben, am Staat vorbei. Sie zitiert einen »Welt«-Artikel über einen angeblichen »Deep State«. 17 Fragen über eine mögliche Finanzierung von Organisationen aus dem Ausland kommen darin vor. All das erinnert an Versuche zur Einschränkung der Zivilgesellschaft in Ungarn, Russland oder Georgien.

Unabhängig davon, dass das von der CDU angemahnte Gebot zur politischen Neutralität für NGOs überhaupt nicht gilt – eine falsche Behauptung, der eine niedere Absicht unterstellt werden muss –, könnte die Anfrage großen Schaden anrichten, indem sie Organisationen wie Correctiv, Omas gegen Rechts oder Greenpeace schwächt und der AfD als Kanonenfutter dient. Denn spulen wir einmal ein Jahr zurück: Demos gegen rechts, eine Partei, die sich von staatsfinanzierten Organisationen verunglimpft fühlt – da war doch was ...

Gerade nach einer Wahl, bei der das Abschneiden der AfD einer Normalisierung des Rechtsextremismus in Deutschland gleichkommt, braucht es vor allem eines: eine starke und laute Zivilgesellschaft. Mit ihrer Anfrage liefert die CDU nur einen weiteren Grund, gegen die rechtspopulistische Agenda dieser Partei auf die Straße zu gehen.

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -