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Bayerns SPD laviert

Sozialdemokraten rücken vom Modell des achtjährigen Gymnasiums ab – aber nur teilweise

  • Lesedauer: 3 Min.
Angesichts der massiven Kritik am achtjährigen Gymnasium (G8) in Bayern macht sich die Landtags-SPD für eine teilweise Rückkehr zum neunjährigen Modell (G9) stark. Konkret sollen Schüler und Eltern künftig die Wahl haben, ob die Oberstufe nach zwei oder nach drei Jahren mit dem Abitur abgeschlossen werden soll.

München (dpa/ND). »Wir wollen nicht grundsätzlich zurück zum G9«, betonte der SPD-Bildungsexperte Hans-Ulrich Pfaffmann am Mittwoch in München. Wer in acht Jahren zum Abitur kommen wolle, solle weiterhin die Möglichkeit dazu haben. Allerdings sollten Eltern und Schüler in Bayern eben wählen dürfen, forderte Pfaffmann.

Um die Interessen der verschiedenen Schüler unter einen Hut zu bekommen, soll die Oberstufe nach dem Willen der SPD flexibler organisiert werden, etwa in Pflicht- und Wahlkursen. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) wies den SPD-Vorstoß zurück.

Die ersten Schüler werden Ende kommenden Schuljahrs (2010/2011) ihr Abitur im neuen System abschließen. Schüler und Eltern klagen aber über einen zu großen Druck und eine zu hohe Belastung am G8.

Seit Einführung des G8 rissen die Meldungen über große Probleme nicht ab, berichtete Pfaffmann. Es gebe »Riesen-Handlungsbedarf«. So seien die Lehrpläne bei der Umstellung vom G9 auf das G8 nicht nennenswert entschlackt worden – die Debatte über die Reduzierung des Schul-Stoffs habe nichts gebracht. Die Schüler hätten keine Zeit mehr für ein »Leben neben der Schule«, kritisierte der SPD-Politiker. Pfaffmann sagte voraus, dass sich bei Wahlfreiheit die Mehrzahl der Schüler und Eltern für die dreijährige Oberstufe entscheiden würde. Insofern könnte es eine »faktische Rückkehr« zum G9 geben.

Um die Bedingungen am Gymnasium zu verbessern, fordert die SPD kleinere Klassen von maximal 25 Schülern und spricht sich dafür aus, das Unterrichtsprogramm künftig mehr den Schulen zu überlassen. Diese sollen demnach selbst entscheiden dürfen, wie die vom Ministerium vorgegebenen Jahreswochenstunden verteilt werden. So soll beispielsweise die Möglichkeit geschaffen werden, die Stunden mehrerer Fächer zu einem Projektunterricht zusammenzufassen, wie Pfaffmann und seine Landtags-Kollegin Karin Pranghofer erläuterten.

Kultusminister Spaenle erklärte, eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium, wie dies die SPD auf indirektem Weg über eine vermeintlich flexible Oberstufe erreichen wolle, gehe »einseitig zulasten der Schülerinnen und Schüler«. Zudem habe das Ministerium bereits Vorschläge vorgelegt, um Kindern und Jugendlichen durch individuelle Förderung flexible Schullaufbahnen zu ermöglichen.

Spaenle wies zudem darauf hin, dass das Ministerium den Schulen mehr Eigenständigkeit übertragen werde. Bereits im Winter habe er angekündigt, dass er dazu im Mai ein umfassendes Konzept im Kabinett vorstellen werde.

Auch der Philologenverband (bpv) hatte sich zuletzt für ein zusätzliches Schuljahr am G8 ausgesprochen – aber auch nur für einen Teil der Schüler. Konkret plädierte der bpv für ein zusätzliches »Brückenjahr« beim Übergang von der Mittel- in die Oberstufe.

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