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Obama in Not
Bülent Ciftlik / Der als »Obama von Altona« bekannte SPD-Politiker steckt in der Klemme
Jetzt auch noch Wahlfälschung! Es sieht derzeit nicht gut aus für Hamburgs einstige SPD-Nachwuchshoffnung Bülent Ciftlik. Wie das Nachrichtenmagazin »Spiegel« berichtet, soll der smarte Genosse in Wahlmanipulationen verwickelt sein. Ciftliks gutes Abschneiden bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen im Februar 2008 hatte für viel Aufsehen gesorgt. Mit mehr als 16 000 Stimmen hatte der Neuling aus dem Arbeiterbezirk Altona das viertbeste Ergebnis in der ganzen Hansestadt eingefahren. Inzwischen sollen die Ermittler aber im Besitz einer an Ciftlik gerichteten E-Mail sein, in der von gefälschten Briefwahlunterlagen und illegalen Aktivitäten die Rede ist. In Ciftliks Wahlkreis hatten Unbekannte versucht, sich Briefwahlunterlagen mit teilweise frei erfundenen türkischen Familiennamen zu verschaffen.
Der »Spiegel«-Bericht kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für den Sohn eines türkischstämmigen Werftarbeiters. Denn seit Mitte April verhandelt das Amtsgericht St. Georg über die Scheinehe zwischen einem türkischen Imbissbuden-Besitzer und einer Deutschen. Die vorgetäuschte Liebesheirat soll von Bülent Ciftlik vermittelt worden sein, behauptet zumindest die Angeklagte. Aus Liebe zu Ciftlik habe sie dessen Kumpan geheiratet und dafür 4000 Euro erhalten. Der Ehevermittler mit dem SPD-Parteibuch kassierte angeblich 3000 Euro Provision. Doch damit nicht genug: Der noch vor kurzem als »Obama von Altona« bejubelte Ciftlik soll sich zudem 35 000 Euro von der verliebten Frau geliehen haben, um seinen aufwendigen Wahlkampf zu finanzieren. Am vergangenen Donnerstag versicherte ein sichtlich um Glaubwürdigkeit bemühter Ciftlik, er habe »nie zu einer Scheinehe angestiftet«. Außerdem will er sich lediglich 17 000 Euro geborgt haben.
Zwar ist noch nichts bewiesen, aber sein Bürgerschaftsmandat lässt der 37-Jährige zur Zeit ruhen. Auch von seinem Amt als Pressesprecher der Hamburger SPD wurde er nach Bekanntwerden der Vorwürfe beurlaubt. Die Affäre könnte zudem einen zweiten Hamburger Genossen die Karriere kosten. Der Bürgerschaftsabgeordnete Metin Hakverdi soll die Scheinehepartner vor der Heirat beraten haben. Wie Ciftlik lässt er sein Mandat nun ruhen.
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