Schwarze Stellen im Protokoll
Weiter Unklarheiten über Ursache der Flugzeugkatastrophe von Smolensk
Das 41 Seiten starke Dokument, an dessen Anfertigung polnische Experten beteiligt waren, wurde am Dienstag auf die Internetseite des polnischen Innenministerium gestellt und am Mittwoch in der »Gazeta Wyborcza« abgedruckt. Es enthält eine stenografische Niederschrift der Gespräche im Cockpit vor dem Unglück. Bei einem Viertel der Aufzeichnung konnte weder die Stimme identifiziert (im Cockpit befanden sich außer vier Besatzungsmitglieder drei unbefugte Personen) noch der Inhalt der Gespräche wiedergegeben werden. Polnische Experten sollen nun versuchen, die »dunklen Stellen« zu entziffern.
Alle Medien Polens verweisen in Kommentaren darauf, dass auf die Piloten kein Druck ausgeübt worden sei, zu landen. Aufzeichnungen, die diese Behauptung in Zweifel ziehen könnten, werden allerdings kaum beachtet. Ausschnitt 1: Als die mehrmals wegen des dichten Nebels und niedriger Wolkendecke gewarnten Piloten den im Cockpit weilenden Protokollchef des polnischen Außenamtes informierten, dass man wegen des schlechten Wetters nicht landen könne, sagte dieser: »Dann haben wir ein Problem«. Ausschnitt 2: Eine anonyme Stimme: »Der Präsident hat noch keine Entscheidung getroffen.« Ausschnitt 3: Anonyme Stimme knapp vor dem Landungsversuch: »Der wird wütend, wenn wir noch ...«
Fest steht, was erfahrene polnische wie russische Piloten bezeugen: Dass bei dem Landungsversuch jegliche Normen und Prinzipien der Fliegerei missachtet wurden. Bekannt ist auch, dass zwei Jahre zuvor Lech Kaczynski versucht hatte, den Kapitän seiner Präsidentenmaschine zu zwingen, trotz dessen Bedenken auf dem Flughafen Tbilissi zu landen. Als dieser sich weigerte, wollte der Staatschef den Piloten wegen Missachtung des Befehl des »Obersten Befehlsinhabers« dienstrechtlich zur Verantwortung ziehen.
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