Bunte Republik Suhl

Zehnter Thüringer Kunst- und Literatursommer beginnt

  • Danuta Schmidt
  • Lesedauer: 2 Min.
Bunte Republik Deutschland in Suhl: Eine Woche lang ist die südthüringische Stadt ab heute offene Bühne der Kleinkunst und Hochkultur zugleich.

Zum zehnten Mal findet das Kulturfest Provinzschrei statt. Und das ist schon eine Leistung an sich. Denn auch Suhl gehört zu den schrumpfenden Städten in Ostdeutschland, die nicht wie die benachbarten Hochschulstandorte Ilmenau und Schmalkalden jährlich mit frischem Wind durch junge Akademiker rechnen können, die auch kulturell Potenzial mitbringen. Die Stadt ist hoch verschuldet, gekürzt wird selbstverständlich bei der Kultur. Schwierige Bedingungen, um neue Kulturfeste in Eigeninitiative und -regie auf die Beine zu stellen.

Dass das Fest in diesem Jahr mit einer Ausstellung des Panik-Rockers Udo Lindenberg eröffnet wird, war ein Kraftakt: »Seit zehn Jahren wollen wir Udo persönlich haben. Wir sind große Fans dieses ungefilterten und unverblümten Querulanten. Seine Ehrlichkeit gefällt uns«, so Veranstalterin Claudia Neukirchner. Außerdem hat Panik-Udo eine besondere Beziehung zur Stadt. Sein erstes Ostdeutschlandkonzert gab er hier 1990 barfuß vor 3000 begeisterten Fans. Mit einem Revival hat es noch nicht geklappt, aber in diesem Jahr sind die beiden engagierten Festivalmacher ihrem Traum so nah wie nie zuvor: »Zum Jubiläum wollten wir eine auffällige Ausstellung und da sind wir wieder auf den Panikrocker gestoßen.« Die beiden schrieben eine sehr persönliche E-Mail an seinen Galeristen und eine Woche später kam das grüne Licht per Telefon. Ab heute sind die Likörelle, so heißen die Bilder, die mit Zugabe von Eierlikör oder Curacao entstanden sind, in der Ausstellung »No Panic_Udo Lindenberg in Suhl« zu sehen.

Bleiben wir beim Geschmack. Denn auf Liebhaber unterschiedlichster Genres ist das Programm des Provinzschrei eingestellt: Lesung, musikalisches Programm, Modetheater und wieder Lesung, mit Gästen, die nicht unterschiedlicher sein könnten: Katja Riemann, Christoph Hein, Joachim Gauck, Alexander Osang, Annekathrin Bürger und Knorkator-Sänger Stumpen machen sich auf den mehrstündigen Weg in die Provinz zwischen Rhön und Rennsteig. Doch dem Initiatorenteam ist neben der am Ort versammelten Prominenz auch der lokale Anstrich wichtig.

So feiert der bekannte Suhler Autor Landolf Scherzer Deutschlandpremiere mit seinem Buch »Letzte Helden«, das Modetheater Gnadenlos aus Weimar tanzt am Jubiläumsabend. Außerdem findet, auch zum zehnten Mal, ein Thüringenweiter Literaturwettbewerb an Schulen statt. Und wie der unverwüstliche Udo optimistisch in die Welt schnoddert: »Hinter dem Horizont geht's weiter ...«, so ist den beiden Veranstaltern, die übrigens nach ihrem Studium zurück in ihre Heimat gegangen sind, gutes Gelingen und ein Provinzschrei, Auflage elf, zu wünschen.

Ausführliches Programm unter www.provinzschrei.de

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