Werbung

Palastunruhen in Dresden

Der Architekt des großen Kulturkomplexes in Sachsens Hauptstadt klagt gegen Umbauvorhaben

  • Lesedauer: 2 Min.
Der Kulturpalast in Dresden wurde im Jahr 1969 eröffnet und besaß damals den größten und modernsten Saal der DDR. Seit 2008 steht er auf der Liste sächsischer Kulturdenkmale. Jetzt avanciert das Gebäude im Stadtzentrum zum juristischen Streitfall.

Dresden (dpa/ND). Architekt Wolfgang Hänsch (81) will den geplanten Umbau des Dresdner Kulturpalastes gerichtlich untersagen lassen. Hänsch kündigte am Montag die Einreichung einer entsprechenden Klage an. Der Umbau stelle eine »unzulässige Entstellung seines urheberrechtlich geschützten Werkes« dar.

Dresden will den Palast mit seinem 2400 Plätze fassenden großen Saal verändern, um der Philharmonie einen akustisch akzeptablen Raum zu schaffen. Das Projekt ist umstritten und stößt auch bei Veranstaltern der Unterhaltungsbranche auf Kritik. Sie halten Shows im Kulturpalast nur mit aktueller Kapazität und Bühnengröße für kalkulierbar.

Hänsch bezeichnete die Pläne der Stadt als »Schildbürgerstreich«: »Ein funktionsfähiger Mehrzwecksaal wird zerstört, um einen Konzertsaal zu errichten. Das ist ein frevelhaftes Unternehmen.« Der Architekt plädiert für ein separates Konzerthaus, das neben der Philharmonie auch der Sächsischen Staatskapelle Dresden – dem Orchester der Semperoper – dienen könnte.

Für diese Variante hatten sich Dirigenten aus aller Welt ausgesprochen, darunter James Levine, Zubin Mehta, Seiji Ozawa und George Prêtre. Der Kulturpalast wurde 1969 eröffnet und besaß damals den größten und modernsten Saal der DDR. Seit 2008 steht er auf der Liste sächsischer Kulturdenkmale.

2005 habe die Stadt Dresden eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die die Sanierung des jetzigen Saales überprüfen sollte, sagte Hänsch der dpa. »Mit Raumakustikern haben wir damals den Nachweis erbracht, dass dabei auch die Akustik des Saales durch einfache Baumaßnahmen außerordentlich verbessert werden könnte. Damals hatte die Stadt die nötigen 40 Millionen Euro jedoch nicht. Ein Jahr später wurde die WOBA (Wohnungsbaugesellschaft) verkauft, auf einmal war also ganz viel Geld da. Man verwarf die Sanierungspläne und suggerierte dem Stadtrat fälschlicherweise, dass es für den Einbau eines neuen Konzertsaals Fördermittel geben würde.«

Der Denkmalschutz betreffe nicht nur die Hülle, sondern das gesamte Haus, sagt Hänsch. »Wie kann ich den Palast unter Denkmalschutz stellen und dann das Herzstück so grundlegend verändern? Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass der Umbau so nicht zu machen ist.« Der Bund Deutscher Architekten habe bei der Stadt vorgesprochen und gefragt, warum man die Autoren des Palastes nicht einbeziehe. »Man hat das damals zugesichert, aber getan hat sich nichts. Wir streben jedenfalls einen Planungs- und Baustopp an«, sagte Hänsch.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.