Belagern trotz des Verbots
Florian Wilde vom Demonstrationsbündnis
ND: Die für Freitag geplante Bundestagsbelagerung des Bündnisses »Wir zahlen nicht für eure Krise« ist von der Polizei verboten worden. Was bedeutet das für Sie?
Wilde: Das ist ein politischer Affront, weil uns damit die Möglichkeit genommen werden soll, massenhaft Unmut über die Umverteilungspolitik der Regierung sichtbar zu machen. Wir werden an der Demonstration festhalten, durch alle Instanzen gehen und für unser Demonstrationsrecht klagen.
Lassen sich Gruppen des Bündnisses dadurch abschrecken? Gewerkschaften etwa sind ja nicht gerade bekannt für Aktionen zivilen Ungehorsams.
Bisher nicht. Zum Beispiel ver.di Berlin unterstützt den Aktionsaufruf zur Bundestagsbelagerung. Offensichtlich reicht es nicht aus, einfach nur auf die Straße zu gehen, um die Regierung unter Druck zu setzen. Deswegen wollen wir diese Aktionsform und den Protest direkt vor den Reichstag tragen.
Wie geht es danach weiter?
Direkt im Anschluss gibt es eine Aktionskonferenz zum Thema Sozialproteste im Haus des DGB in Berlin, wo wir über weitere Schritte und Strategien diskutieren wollen. Der Kampf gegen die Sparpakete wird auf jeden Fall weitergehen.
Ist der »heiße Herbst« so heiß geworden wie erhofft?
Der heiße Herbst ist tatsächlich sehr heiß geworden. Im Wendland und in Stuttgart hat sich gezeigt, dass ein breites Potenzial für Unmut da ist. Was die soziale Frage betrifft, ist der heiße Herbst bisher nicht so heiß geworden, wie wir uns das gewünscht hätten. Das muss man klar sagen. Wir hoffen, dass wir am Freitag noch mal eine gewisse Zuspitzung hinbekommen.
Fragen: Regina Stötzel
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.