Iran warnt Berlin vor politischem Druck

Reporter werden vorläufig nicht freigelassen

  • Lesedauer: 2 Min.
Nach dem Aufruf von Prominenten zur Freilassung der beiden deutschen Reporter hat Iran Deutschland zur Zurückhaltung aufgerufen.

Teheran (dpa/ND). »Berlin sollte wissen, dass politischer Druck, wie jüngst diese Solidaritätsaktion, den Fall keineswegs positiv beeinflussen wird – eher umgekehrt«, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, am Dienstag. Es sei besser, den Fall nicht zu politisieren, da Druck auf Irans Justiz eher das Gegenteil bewirken würde.

100 Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport hatten in »Bild am Sonntag« an Iran appelliert, die seit fast drei Monaten inhaftierten Reporter des Blattes freizulassen. Diese waren am 10. Oktober in der Provinzhauptstadt Täbris beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen. Die Frau sollte zunächst wegen Ehebruchs gesteinigt werden; nun könnte sie wegen Beihilfe zur Ermordung ihres Mannes zum Tod durch den Strang verurteilt werden.

Mehmanparast bekräftigte, dass es sich bei den Vorwürfen gegen Aschtiani um einen Rechtsfall und kein Politikum handele. »In diesem juristisch komplizierten Fall sollten wir abwarten und sehen, was die Richter entscheiden«, so der Sprecher. In einer inszenierten Pressekonferenz hatte Aschtiani kürzlich angekündigt, dass sie die beiden Reporter anzeigen wolle. Sogar die iranische Nachrichtenagentur Fars hatte die Inszenierung als »dubios« bezeichnet.

Der Ministeriumssprecher dämpfte erneut Hoffnungen auf baldige Freilassung der Reporter. Das Treffen mit ihren Angehörigen vergangene Woche sollte nicht falsch interpretiert werden, es sei »aus rein humanitären Gründen« angesetzt worden.

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