E.on beauftragte Spitzelfirmen
Umweltaktivisten über Jahre ausgespäht
Der Energieversorger Scottish Power, der Kohleproduzent Scottish Resources Group und E.on haben laut einem Bericht der Tageszeitung »Guardian« in Großbritannien die Sicherheitsfirma Vericola angeheuert, um Umweltgruppen auszuspähen. Dies flog nun auf – offenbar durch Unfähigkeit der Chefin von Vericola, Rebecca Todd: Sie schickte mehrere, für Mitarbeiter bestimmte E-Mails aus Versehen über eine Verteilerliste an die ausgespähten Umweltaktivisten. Auf diese Weise kam heraus, dass Vericola-Mitarbeiter sich in interne E-Mail-Verteiler der Szene eingetragen hatten sowie selbst an Besprechungen und Versammlungen teilnahmen.
E.on will Vericola auf »Ad-hoc- Basis« angeheuert haben. Doch scheint es, als ob das Unternehmen Umweltaktivisten über Jahre systematisch ausgespäht hat. Teilweise wurden sogar Treffen mit in Umweltgruppen eingeschleusten Agenten in München organisiert. Rebecca Todd soll ihre Mitarbeiter im Detail instruiert haben. Für den München-Trip empfahl sie ihnen »Probleme mit der Freundin« als Tarngeschichte, um eine kurzfristige Abwesenheit des eingeschleusten Aktivisten zu erklären.
In Großbritannien gibt es mindestens zehn Privatfirmen, die im Auftrag von Konzernen Aktivisten ausspähen. Sie alle werden von ehemaligen Geheimdienstlern oder Mitarbeitern der »Association of Chief Police Officers« (ACPO) betrieben. In diesem 1997 gegründeten Privatunternehmen sind alle Polizeichefs aus England, Wales und Nordirland organisiert. Schottland hat eine eigene Organisation, die allerdings ähnlich aufgebaut ist. Die ACPO erhält 18 Millionen Pfund pro Jahr aus Steuergeldern. Sie ist keinem gewählten Gremium gegenüber rechenschaftspflichtig. Dafür ist die Vereinigung kommerziell aktiv. Sie gibt Sicherheitsberatung an Unternehmen gegen Gebühr. Für 70 Pfund kann man dort etwa erfahren, ob man im britischen Vorstrafenregister eingetragen ist. Außerdem unterhält die Vereinigung eine Reihe von Spezialeinheiten und entwirft Polizei- und Antiterrorgesetze.
Treten der ACPO unterstellte Polizisten aus dem aktiven Dienst aus, gründen sie oft ihre eigenen Sicherheitsunternehmen oder treten solchen bei. Dies war anscheinend auch bei Mark Kennedy der Fall, einem enttarnten V-Mann. Er betrieb eigene Firmen, arbeitete aber auch für das Unternehmen »Global Open«. Dieses, berichtet die Tageszeitung »Daily Mail«, war zeitweilig auch für E.on aktiv.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.