Sachdienlich

Alexander Kolb verlässt Junge Union und CSU, um Grüner zu werden

  • Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 2 Min.
Personalie – Sachdienlich

Nachdem gerade zwei Funktionäre der Jungen Union sich bei der LINKEN in Rheinland-Pfalz entschuldigt haben, weil sie des Nachts deren Wahlplakate entfernt hatten, sorgt ein weiterer Nachwuchskader der Konservativen für Aufregung, diesmal im Schwäbischen. Alexander Kolb, Vorsitzender des CSU-Nachwuchses im bayerischen Bezirk Schwaben, entsagte der weiteren Karriere bei den Christsozialen und trat zu den Grünen über.

Begründung ist dem 35-Jährigen das Festhalten der Unionsparteien an der Atomkraftnutzung. Das freut die Grünen, deren Bundesvorsitzende Claudia Roth den Neuen in einem Brief mit den überschwänglichen Worten begrüßte: »Dein Schritt ist geprägt von großem Verantwortungsbewusstsein. Lass uns gemeinsam alle Menschen mitnehmen, die das Wohl der kommenden Generationen im Auge haben.« Dem Vernehmen nach kommt Alexander Kolb erstmal allein, aber er argumentiert bereits ganz im Sinne der Grünen-Vorsitzenden. Im August sei er Vater geworden, und »wenn man die Verantwortung trägt, denkt man über vieles anders«. Das ist ein sogenannter sachdienlicher Hinweis, denn über vieles immer mal anders denken, das wird der Berufsschullehrer in seiner neuen Partei gut anwenden können, dort ist dieses schon seit Längerem üblich.

Das Bekenntnis, jetzt erstmal als normales Mitglied der Grünen mitzuarbeiten, wollen ihm einige bisherige Weggefährten allerdings nicht abkaufen. Auch wenn der bayerische Landesvorsitzende der Jungen Union einräumt, die Neuorientierung sei dem Kolb schon seit Längerem anzumerken gewesen und deshalb auch zu respektieren, gibt es zugleich Stimmen, die ihm Karrierismus vorwerfen. Sie verweisen darauf, dass die nächste Wahl des Bezirksvorstands der JU anstehe, und aus Altersgründen könne Kolb nicht wieder für den Posten antreten. Ein Versuch, auf die Bundestagsliste der CSU zu gelangen, war 2009 gescheitert. Die Grünen werden solch kleinliche Vorwürfe nicht erheben, zumal ihnen Kolb auch noch ein Kreistagsmandat in den Schoß wirft. Dieses an die CSU zurückzugeben, hat er bereits abgelehnt. Ihm gehe es nur um die Sache, wies er alle Verdächtigungen von sich. Sachdienlich, der Kolb.

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