Abfüllen in der Atomruine begann
Arbeiter leiten Stickstoff in den Reaktorblock 1 von Fukushima ein
Tokio/Straßburg (dpa/AFP/ND). Ziel ist es, das brisante Luftgemisch im Reaktorgehäuse zu verdünnen und so zu verhindern, dass es erneut zu Wasserstoff-Explosionen wie kurz nach der Havarie am 11. März kommt. Laut Medienberichten gab es keine Probleme. Der Druck in dem Reaktorgehäuse sei wie erwartet leicht gestiegen. Später könnten die Reaktorblöcke 2 und 3 folgen. Wie der Fernsehsender NHK berichtete, ist der Kühlwasserstand im Reaktorblock 1 nach wie vor niedrig, so dass sich die Brennstäbe gefährlich erhitzen. Dadurch könnte sich das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff getrennt haben. In diesem Fall stiege das Risiko einer Knallgasexplosion. Mit Stickstoff lässt sich das gefährliche Gemisch verdünnen. Ebenso wie der AKW-Betreiber Tepco geht auch die Atomsicherheitsbehörde NISA nicht davon aus, dass durch die Stickstoff-Zuführung große Mengen an radioaktivem Dampf aus dem Reaktorgehäuse strömen können.
Becken mit gebrauchten Kernbrennstäben liegen nach wie vor offen. Um sie zu kühlen, werden die Becken mit Wasser geflutet. Da dieses verseuchte Wasser überlaufen kann, muss das automatische Kühlsystem wieder in Gang gebracht werden. Die Arbeiter können diese Maschinen jedoch wegen der extremen Verstrahlung nicht erreichen. Wie Kyodo berichtete, erwägt die Regierung, ein ferngesteuertes US-Flugzeug einzusetzen, um die extrem hohe Strahlung an den Abklingbecken der Reaktoren zu messen.
Auch nach Abdichten eines Lecks ist die Strahlenbelastung im Meer vor Fukushima weiter hoch. Wie NHK meldete, ergaben Messwerte vom Mittwoch eine um das 140 000-Fache erhöhte Belastung mit dem radioaktiven Jod-131. Mit 5600 Becquerel pro Kubikzentimeter sei die Strahlung aber nur noch halb so hoch wie am Dienstag, hieß es unter Berufung auf Daten des Betreibers Tepco. Ein vorläufiger Höchstwert war am 2. April mit dem 7,5-Millionen-Fachen der zulässigen Strahlenbelastung gemessen worden.
Derweil ist das Europaparlament in der Frage der Atomkraft tief zerstritten: Von sieben Entschließungsanträgen, die von unterschiedlichen Gruppen eingereicht wurden, fand am Donnerstag in Straßburg keiner eine ausreichende Mehrheit. Selbst ein Text, der von den fünf größten Fraktionen gemeinsam vorgeschlagen wurde, scheiterte.
Vor allem Linke und Grüne forderten, dass die EU als Folge aus der Atomkatastrophe in Japan einen schrittweisen Ausstieg aus dieser Energie einleiten sollte. Außerdem verlangten sie, dass Atomanlagen, die bei den geplanten Stresstests durchfallen, sofort abgeschaltet werden.
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