Spitzenarbeit an altem Auftrag

Vorstand der LINKEN tagt heute in Sondersitzung / Lötzsch warnt vor Zerstörung der Partei

  • Gabriele Oertel
  • Lesedauer: 2 Min.
Der Geschäftsführende Vorstand der LINKEN kommt heute überraschend zu einer Sondersitzung zusammen, um über den Streit in den eigenen Reihen zu beraten. Parteivorsitzender Klaus Ernst unterbrach dafür seinen Urlaub.
So war es gewollt, November 2006.
So war es gewollt, November 2006.

Die Vorsitzende der LINKEN, Gesine Lötzsch, hat vor der für Mittwoch anberaumten Sondersitzung des Geschäftsführenden Parteivorstandes an ihre Genossen appelliert, die Streitigkeiten in der Partei beizulegen. Diese waren durch die Forderungen von Sahra Wagenknecht und Werner Dreibus nach einem Rücktritt des Schatzmeisters der Partei, Raju Sharma, eskaliert. Sharma hatte nach der Rede von Klaus Ernst auf dem Hamburger Landesparteitag am vergangenen Wochenende geäußert, der Vorsitzende solle mit seiner anonymen Kritik an innerparteilichen Querelen konkreter werden oder »die Klappe halten«.

In einem Interview mit Neues Deutschland wandte Lötzsch sich gegen Rücktrittsforderungen und einen Sonderparteitag. Wer über einen Sonderparteitag nachdenke, müsse sich im Klaren sein, dass der die Konflikte nicht lösen würde. »Kampfabstimmungen auf einem Sonderparteitag würden den Fusionsprozess bedrohen und damit die Partei«, warnte die Parteichefin. Ihre Mahnung: »Wir können nur gemeinsam gewinnen oder getrennt verlieren.« Alle in der Partei müssten darauf achten, so Lötzsch zur Hamburger Forderung von Ernst nach einer »klaren Kante«, sich nicht gegenseitig Wunden zu schlagen. »Die Wunden, die von den eigenen Genossinnen und Genossen zugefügt werden, heilen besonders langsam.«

Ziel der Sondersitzung in Berlin ist es nach Einschätzung von Lötzsch, Zuspitzungen zu beenden und – mit Blick auf die Bürgerschaftswahl in Bremen im Mai – zum gemeinsamen und selbstbewussten Handeln zurückzufinden. Vielen in der Partei sei offenbar die Gefahr nicht bewusst, »wie schnell man eine Partei zerstören kann und wie schwer es ist, sie wieder aufzubauen«. Die Parteivorsitzende mahnte einen »sorgsamen Umgang mit der Partei« an. Das sei »insbesondere die Aufgabe von gewählten Führungen«, schrieb sie allen Mitgliedern des Geschäftsführenden Vorstandes ins Stammbuch.

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