Dänen sollen länger arbeiten

Regierung setzt Rentenreformkonzept durch

  • Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: 2 Min.
Ein späterer Renteneintritt soll in Dänemark helfen, die Staatsfinanzen dauerhaft zu konsolidieren.

Ein Thema dominiert die dänische Politik seit Monaten: die langfristige Sicherung der Staatsfinanzen und damit des Sozialstaates. Die Zahlenpolemik zwischen der konservativ-liberalen Regierung und der Mitte-Links-Opposition schlug hohe Wellen. Nach zähen Verhandlungen setzte die Regierung ihr Konzept nun durch. Ihr war es gelungen, eine Oppositionspartei auf ihre Seite zu ziehen.

Hauptziel des Vorhabens ist es, die Kosten für Renten und Vorruhestandsregelungen zu senken und gleichzeitig ein größeres Angebot an Arbeitskräften zu sichern. In den nächsten Jahren wird sich die Bevölkerungspyramide weiter zu Ungunsten der jungen Generationen verändern, während gleichzeitig die durchschnittliche Lebenserwartung steigt, so das Argument.

Ab 2018 sollen mehrere einschneidende Änderungen in Kraft treten. Der Vorruhestand kann dann nicht länger als drei Jahre dauern und erst mit dem 64. Lebensjahr beginnen. Ab 2022 wird das Rentenalter einheitlich bei 67 Jahren liegen. Ferner sieht das Konzept vor, dass eine weiter steigende Lebenserwartung einen noch späteren Eintritt in das Rentnerdasein nach sich ziehen wird. Nach der Kalkulation der Regierung werden durch das längere Arbeiten etwa 65 000 Personen mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, wodurch die Staatskasse jährlich zwei bis drei Milliarden Euro an Rentenzahlungen einspart und gleichzeitig höhere Steuereinnahmen erzielt.

Allerdings werden nicht alle Dänen den späteren Rückzug vom Arbeitsmarkt mitmachen können, sei es krankheitsbedingt oder auf Grund harter physischer Arbeit Für diese Gruppe wird ein sogenannter Seniorenvorruhestand eingeführt. Im Gegensatz zur jetzigen Regelung ist dieser nicht abhängig von Einzahlungen in eine Arbeitslosenkasse. Und über die Berechtigung sollen die kommunalen Behörden entscheiden.

Bislang zahlen mehrere 100 000 Dänen über ihre Arbeitslosenversicherung Gelder auf spezielle Konten ein, aus denen ein späterer Vorruhestand finanziert werden kann. Laut dem Konzept können sich die Betroffenen ihre Einzahlungen bis zum nächsten Jahr steuerfrei auszahlen lassen. Die Regierung hofft klammheimlich, dass die freiwerdenden Mittel der derzeit schwachen Konjunktur frischen Wind in die Segel geben wird.

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