Koane Überraschung
Manuel Neuer wechselt von Schalke zu Bayern – Deutsche Fußballelf heute gegen Österreich
Jürgen Zelustek, SID
Rechtzeitig vor dem Duell gegen Österreich ist der Poker um Nationaltorwart Manuel Neuer zu Ende gegangen. Der künftige Münchner, vor allem aber Bundestrainer Joachim Löw waren trotz des Rummels bemüht, die Konzentration auf die sportliche Bedeutung des EM-Qualifikationsspiels in Wien zu lenken. Löw sprach von einem »Bruderkampf«: Doch als Neuer den Presseraum im Wiener Ernst-Happel-Stadion betrat, rückte das Spiel in den Hintergrund. Der 25-Jährige wurde mit Fragen zum Wechsel von Schalke zu Bayern München bombardiert – die Partie der deutschen Fußballnationalelf (heute 20.30 Uhr/ARD live) geriet kurzzeitig zur Nebensache.
Neuer war bei allem Rummel um seine Person sichtbar erleichtert, dass das wochenlange Gezerre am Mittwochabend endlich ein Ende hatte. »Ich bin sehr froh und freue mich auf eine spannende Herausforderung. Das hat mich schon sehr belastet«, sagte er am Donnerstag nach der Ankunft in Wien. »Aber ich habe dem Druck standgehalten und gute Leistungen gezeigt. Ich habe einige neue Lebenssituationen kennengelernt. Diese Erfahrungen schaden nicht.«
Neuer erhält einen Fünfjahresvertrag bis 2016 und kostet die Bayern bis zu 25 Millionen Euro Ablöse. Für Löw ist dies sehr gut angelegtes Geld. »Er ist seit einem Jahr unser Torwart Nummer eins. Er hat unser Vertrauen vollumfänglich gerechtfertigt und eine überragende Saison gespielt. Der Wechsel ist ein logischer Schritt, um sich weiterzuentwickeln.« Für Neuer gab es auch keine Alternative zum FC Bayern: »Ich wollte als Nationaltorwart in Deutschland bleiben. Über Jahre hinweg ist Bayern der beste Verein, und bei dem will ich spielen. Ich will mich weiterentwickeln und möglichst viele Titel gewinnen.« Doch zunächst gelte seine »ganze Konzentration der Nationalmannschaft. Uns erwartet ein harter Kampf.«
Noch drastischer formulierte Löw, auf was sich die DFB-Auswahl mit Neuer im Tor heute Abend einstellen muss. Man treffe auf einen Gegner, der in der EM-Qualifikation »seine wahrscheinlich letzte Chance wahren will und alles in die Waagschale werfen wird.« Doch egal wie man die Partie nennt: Die Brisanz ist nicht erst seit der »Schande von Cordoba«, als die deutsche Elf bei der WM 1978 2:3 verlor, riesig. Eine Niederlage gegen Österreich hat besondere Dimensionen.
Doch daran verschwendet im Kreis der deutschen Elf nach fünf Siegen in fünf Qualifikationsspielen der Gruppe A keiner einen Gedanken. Zwar würden in Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Per Mertesacker wichtige Spieler fehlen, meinte Löw, »aber wir werden dagegenhalten und wollen gewinnen«.
Gesetzt ist im Sturmzentrum nach dem Klose-Ausfall Mario Gomez, der in der Nationalelf bisher noch nicht entscheidend aus dem Schatten seines Münchner Kollegen treten konnte. Nun hat Gomez die Chance, in Österreich und am Dienstag in Aserbaidshan im DFB-Dress auf sich aufmerksam zu machen.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.