CSU-Blau schimmert grün
Im bayerischen Ainring wird der Strombedarf ausschließlich aus sauberen Energiequellen gedeckt
Bayern macht Dampf für den beschlossenen Atomausstieg. Die AKW Grundremmingen sowie Isar 1 und 2 sind Geschichte. Die CSU will nicht mehr daran erinnert werden, wie sehr sie sich im Auftrag der Betreiber an diese angeblich alternativlose Stromerzeugung geklammert hat. Ganze Partei kehrt! Bis 2022 sollen Gaskraftwerke die Hälfte des Strombedarfs im Lande decken. Geplant ist der Bau von vier solchen angeblichen Öko-Power-Stationen. Das Kraftwerk im oberbayerischen Irsching soll rasch ans Netz, in Stufen folgen dann Werke an den fränkischen Standorten Haiming und Dettelbach sowie im niederbayerischen Pleinting.
Vorstoß von Gazprom
Bereits jetzt wird ein Viertel des Stroms in Bayern ökologisch korrekt erzeugt. Das ist ein Spitzenwert in Deutschland und eine gute Ausgangsbasis für die beschworene Energiewende. Angeblich, so betont CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, stünden die Gemeinden Schlange, damit sie bei der Standortwahl nicht vergessen werden. Die Frage nach ausländische Investoren ist vom Tisch. Zwar versuche der russische Gazprom-Konzern schon seit Jahren in die Phalanx der westeuropäischen Energieversorger einzubrechen, doch in Bayern werden die Russen kein Glück haben, verspricht Dobrindt. Neben der Umwandlung von Erdgas in Strom und Wärme lockt die Kraft des Windes. 1000 bis 1500 neue Windräder sollen errichtet werden. Im Norden entstehen ganze Parks – vorerst noch in Konstruktionsbüros. Geplant wird vor allem für die nördlicheren Regionen um Mainstockheim, Vogelthal und das Nürnberger Land. Im Süden, beispielsweise an der Salzach, hat das Wassers die besten Chancen, noch stärker genutzt zu werden. Ein Pumpspeicherwerk ist für Riedl geplant. Allerdings – und das hören die Bürger nicht so gern – müsse man bis zu 100 Kilometer neue Stromtrassen durchs Land schlagen.
Nicht für uns, sagen die Einwohner der Gemeinde Ainring. Hier regiert Bürgermeister Hans Eschlberger. Der 1956 im nahen Bad Reichenhall Geborene lässt das Parteiblau seiner CSU ins Grüne changieren. Jüngst verkündete er stolz, dass der Strombedarf seiner Gemeinde fast ausschließlich aus sauberen Energiequellen gedeckt wird. Es handelt sich immerhin um jährlich rund 34 Millionen Kilowattstunden. In seinem Verantwortungsbereich liefern ein halbes Dutzend Wasserkraftanlagen Strom. Tag und Nacht. Die neueste Anlage mit einer jährlichen Leistung von einer Megawattstunde steht in der sogenannten Saalfeld-Anlage am Hammerbach. Die zehnfache Leistung bietet das Zollhauswehr. Dem steht das Wehr des Stahlwerkes Annahütte nicht nach. Ergänzt werden die Wasserkraft- von rund 200 Photovoltaikanlagen. Sie geben um die 1,5 Millionen Kilowattstunden ab. Überall im Ort glänzen Dächer von Wohnhäusern und Stallungen in der Sonne. Acht Millionen Kilowattstunden kommen aus einem Heizwerk, das zugleich die Wärmeversorgung für über 3000 Einwohner sichert.
Straßenlampen abgestellt
Neben der umweltfreundlichen Energieerzeugung kümmert man sich in der Gemeinde Ainring jedoch auch um einen verantwortungsbewussten Umgang mit Energie. Bereits 2005, so vermerkt die örtliche Zeitung, hat man die Straßenbeleuchtung auf sparsame Natriumdampflampen umgestellt. In Ainring bekommt der Begriff vom schwarzen Bayern eine ganz neue Bedeutung. Zumindest ab 1 Uhr in der Nacht. Dann werden nämlich die meisten Straßenlampen ausgeschaltet.
Komplett Ökostrom
München (dpa/ND). Bayerns Behörden sollen sich spätestens im Jahr 2012 komplett mit Ökostrom versorgen. Wie die Staatsregierung kürzlich mitteilte, werde bei allen künftigen Ausschreibungen darauf geachtet, dass der gelieferte Strom aus erneuerbaren Energiequellen komme. Seit 2003 bietet die Oberste Baubehörde im Innenministerium allen zur Ausschreibung verpflichteten Dienststellen und Hochschulen des Freistaats eine zentrale Stromausschreibung an.
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