Schlangenleder und Elfenbein

Organisierte Kriminalität und Tourismus-Souvenirs gefährden Artenvielfalt

  • Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 2 Min.
Wer in diesen Tagen seinen wohlverdienten Urlaub antritt, will oftmals auch ein dauerhaftes Andenken an die schönsten Tage des Jahres mit nach Hause nehmen. Doch in den Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens trägt der rege Handel mit »exotischen« Souvenirs zunehmend zum Aussterben besonders gefährdeter Tier- und Pflanzenarten bei.
Beschlagnahmte »Reiseandenken«
Beschlagnahmte »Reiseandenken«

Für Reisende, die Korallen, ausgestopfte Tiere, Taschen aus Schlangenleder, Bären- und Zebrafelle, in Alkohol eingelegte Schlangen oder Schnitzereien aus Elfenbein im Reisegepäck mitbringen, kann die Zollkontrolle ein unangenehmes juristisches Nachspiel haben. Immerhin sieht das Bundesnaturschutzgesetz in besonders schweren Fällen eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren und ein Bußgeld bis zu 50 000 Euro vor. Dieses Gesetz stützt sich auf das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, das den internationalen Handel mit rund 33 000 gefährdeten Tier- und Pflanzenarten und daraus hergestellten Produkten untersagt. Über 175 Staaten haben sich dem Abkommen angeschlossen.

Doch es sind nicht nur unwissende Touristen, deren Gepäckstücke im Frankfurter Rhein-Main-Flughafen von den Spürhunden Amy und Uno ermittelt werden. Die Frankfurter Schäferhündin Amy und Ihr Labradorkollege Uno gehören zu einer Gruppe von mehreren hundert Spürhunden, die von Zollbeamten eigens auf den Geruch exotischer Tiere und Pflanzen dressiert wurden und pro Schicht über 1000 Gepäckstücke bewältigen können.

Denn der Markt für ausgestopfte und lebende exotische Tiere boomt. Die oftmals bitterarmen Wilderer in den Tropenländern bekommen zwar nur wenige Euro für ihre Beute. Doch weil in Europa oder Nordamerika etliche Menschen bereitwillig hohe Summen dafür auf den Tisch legen, verlocken extreme Gewinnspannen Händler. So lässt sich etwa ein Kakadu für rund 15 000 Euro und eine madagassische Schnabelschildkröte auf dem Schwarzmarkt für gut 20 000 Euro absetzen. Experten der Zollbehörden und der Naturschutzorganisation World Wildlife Fund sehen hier eine Branche der Organisierten Kriminalität. Interpol veranschlagt deren Umsatz auf über 14 Milliarden Euro jährlich.

Den Spürhunden Amy und Uno entgehen dabei auch nicht so skurrile Schmuggelmethoden wie eng verschnürte Schildkröten in Koffern, Papageieneier, Muscheln in Unterhosen und Kulturbeuteln oder Pfeilgiftfrösche in Trinkflaschen. Seit 2008 wurden allein auf dem Rhein-Main-Flughafen 191 lebende und 204 tote Tiere, 45 Meeresschildkröten-Eier, 155 Muscheln, Schnecken und Korallen sichergestellt. Bundesweit beschlagnahmten Beamte allein im Jahr 2010 insgesamt über 93 000 geschützte Tiere und Pflanzen sowie Produkte daraus.

In einem Faltblatt vermittelt der WWF nun Urlaubern ein Ampelsystem, das zwischen verbotenen, genehmigungspflichtigen und unproblematischen Souvenirs unterscheidet. »Wir wollen den Menschen vor Ort zeigen, dass ihre Natur viel wert und erhaltenswert ist«, sagt WWF-Projektleiterin Birgit Braun. Ergänzend informiert der Zoll über alle Einfuhrbestimmungen.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.