Den Schulen gehen die Rektoren aus

Lehrerverband VBE warnt vor Schulleitermangel

  • Lesedauer: 2 Min.
In den kommenden zehn Jahren geht jeder zweite Schulrektor in den Ruhestand. Die Suche nach jüngeren Führungskräften bleibt aber immer häufiger erfolglos.
Deutschlands Schulleitungen sind überaltert: Mehr als 50 Prozent der Rektoren sind älter als 50 Jahre. Ein echtes Problem, denn in den Schulen fehlt der Nachwuchs für die Leitungstätigkeit. Schuld daran sei die geringe Wertschätzung der Schulleiter durch die Politik, die sich in hoher Arbeitsbelastung und unattraktiver Entlohnung zeige, kritisierte der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, am Freitag in Berlin.
Das Ansehen von Schulrektoren in der Bevölkerung ist gering. Das legen die Zahlen des Meinungsforschungsinstituts »forsa« nahe. Das Institut hatte Anfang September im Auftrag des VBE in einer repräsentativen Erhebung 1001 Bundesbürger nach ihrer Meinung zu Schulleitern befragt. Ergebnis: Nur 25 Prozent sagen, dass das Führungspersonal an Schulen ein hohes Ansehen in der Bevölkerung genieße, für 14 Prozent haben sie gar ein negatives Image.

VBE-Chef Beckmann wundern solche Ergebnisse nicht. »In der Wirtschaft werden Managementaufgaben gut dotiert, in der Schule jedoch nicht.« Für viele Lehrer sei eine Leitungstätigkeit schlichtweg nicht attraktiv. Besonders benachteiligt seien die Leiter von kleineren Grundschulen, die bei voller Stundenbelastung im Unterricht netto kaum 100 Euro mehr verdienen als einfache Lehrkräfte. Zusätzlich müssen sie aber je nach Bundesland vier bis acht Stunden pro Woche mehr arbeiten. »Für viele Kollegen heißt das, dass sie ihre Leitungstätigkeit in die Abendstunden oder auf das Wochenende verlagern müssen«, kritisiert Beckmann. Ein weiteres Problem sind die Gehaltsunterschiede zwischen den Schulformen. So erhält laut VBE der Leiter einer kleineren Hauptschule (150 Schüler) mit rund 3700 Euro brutto im Monat kaum mehr Gehalt als ein Junglehrer an einem Gymnasium. Dort kann ein Rektor mit ca. 5200 Euro im Monat rechnen.

»Angesichts der unattraktiven Rahmenbedingungen wird es immer schwieriger, frei werdende Leitungsstellen wieder zu besetzen«, warnte Beckmann. Ein »deutliches Alarmsignal« sei die Zunahme mehrfacher Ausschreibungen in einigen Bundesländern, weil sich kein Bewerber gemeldet habe. Um die Führungstätigkeit an Schulen zu stärken, spricht sich der VBE deshalb u.a. für eine gezielte Nachwuchsgewinnung aus.

In den Ländern fehlt es dafür allerdings an erfolgversprechenden Konzepten. Auf die Tatsache, dass mit zunehmendem Frauenanteil im Lehrkörper auch für Leitungsstellen Beruf, Familie und Kindererziehung besser vereinbar sein müssen, haben die Länder beispielsweise bislang kaum reagiert. Zwar sind rechtlich Teilzeitregelungen durchaus möglich, jedoch nicht praktikabel, wie der VBE-Vorsitzende betont. »Sie können nicht nur zwei oder drei Tage in der Woche der Chef sein.« Für alternative Angebote wie z.B. Jobsharing fehlten dagegen zur Zeit noch ausgereifte Konzepte, kritisiert Beckmann.

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