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Heiliges Regenrohr

In vielen Regionen Deutschlands nehmen Kirchendiebstähle zu - es geht immer weniger um Kunst

  • Franziska Höhnl, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Sie reißen Opferstöcke aus der Wand, lassen Gegenstände aus Edelmetall oder auch nur eine Flasche Messwein mitgehen: Einbrecher in Sachsens Kirchen gibt es immer wieder. Immer häufiger finden die Diebe ihre Beute außerhalb der Kirche: Regenrohr und Blitzschutz.
Sichere Insellage: Die Vineta-Kirche im ehemaligen Tagebau Espenhain (Sachsen), welche an ein abgebaggertes Dorf erinnern soll.
Sichere Insellage: Die Vineta-Kirche im ehemaligen Tagebau Espenhain (Sachsen), welche an ein abgebaggertes Dorf erinnern soll.

Dresden/Leipzig. Sachsens Kirchen werden immer häufiger zur Zielscheibe von Buntmetalldieben. Laut Landeskriminalamt wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres 34 solcher Diebstähle angezeigt. Damit wird Buntmetall häufiger geklaut als Geld oder Kunstgegenstände. Insgesamt registrierte Sachsens Polizei 104 Meldungen zu Diebstählen an und aus Kirchen im Freistaat. Am häufigsten schlugen die Diebe in Dresdens und Leipzigs Kirchen zu, ergab eine dpa-Umfrage. Besonders dreist waren Diebe zur Weihnachtszeit in Freital bei Dresden: Am 2. Weihnachtsfeiertag 2010 schraubten sie 17 Meter Regenrohre von der Sankt-Jakobus-Kirche im Ortsteil Pesterwitz ab.

Gott sieht alles?

»Wir mussten eine Orgel transportieren und hatten das Tor nicht abgeschlossen«, sagt Pfarrer Matthias Koch. »Sie kamen wahrscheinlich spontan, mit einem Kleintransporter, denn sie nahmen nur mit, was sie erreichen und mit einem Schraubenzieher abschrauben konnten.« Für 2000 Euro musste die 1350 Mitglieder zählende Sankt-Jakobus-Gemeinde neue Regenrohre anschaffen. »Jetzt sind sie gut verlötet, die klaut keiner mehr«, sagt Koch. Den im Sommer gestohlenen Blitzschutz aus Kupfer ersetzte die Gemeinde durch das bei Buntmetalldieben nicht sehr beliebte Eisen. »Die Diebe bekommen für das Kupfer viel weniger Geld, als wir für die Neuanschaffung aufbringen müssen«, sagt Koch. »Es gilt leider inzwischen nicht mehr das Gebot ?Gott sieht alles?, sondern ?Hauptsache, nicht erwischen lassen?.« »Sobald die Buntmetallpreise steigen, werden sofort mehr Diebstähle von den Kirchgemeinden gemeldet«, sagt auch Matthias Oelke, Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen. Viele Gemeinden hätten auf mehrmalige Diebstähle ihrer Regenrohre inzwischen drastisch reagiert. »Immer mehr Kirchen haben heute Plastikregenrinnen, auch wenn das an den oftmals alten und denkmalgeschützten Gebäuden mitunter komisch aussieht.«

Einbrüche in die knapp 1600 Kirchen und Friedhofskapellen der sächsischen Landeskirche haben sich laut Oelke nicht gehäuft, die Zahlen seien »nicht dramatisch«. Einbrüche in Kirchen gab es schon immer, sagt er. Die meisten Kirchen seien nur noch unter Aufsicht offen, sonst fest verschlossen. Auffällig sei jedoch, dass es immer weniger professionelle und gezielte Diebstähle etwa von Gemälden aus Kirchen gebe. »Vielmehr übersteigt immer häufiger der Einbruchschaden den eigentlichen Diebstahlschaden«, sagt Oelke.

Hang zum Vandalismus

Da würden Türen aufgebrochen und Gemeindehäuser demoliert, um an die kleinen Geldsummen aus dem Opferstock zu kommen. Auch Messwein oder Lautsprecher wurden schon erbeutet. »Die Täter sind meist jung, oft Gelegenheitsdiebe mit Hang zum Vandalismus«, erklärt Oelke. Der Sprecher der evangelischen Landeskirche in Sachsen glaubt, dass auch ein spektakulärer Raub aus einer Leipziger Kirche auf das Konto solcher Gelegenheitsdiebe und nicht auf die von Profis geht: Unbekannte hatten in der Sankt-Pankratius-Kirche Mitte September zwei wertvolle Abendmahlkelche und eine zugehörige Kanne gestohlen. Den Wert der Unikate bezifferte die Leipziger Polizei auf mehrere tausend Euro.

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