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Die Anstreicher

Kommentar von Karlen Vesper

  • Lesedauer: 2 Min.

Können Bilder unschuldig sein? Skulpturen harmlos? Ist Kunst zu nennen, was in den Ateliers einer Diktatur entsteht, die an Brutalität, Barbarei, Unmenschlichkeit ihresgleichen nicht kennt in der Menschheitsgeschichte - der es zweifellos an Orgien des Terrors nicht mangelte? Und an denen allzeit Intellektuelle und Kunstschaffende nicht eben schuldlos waren. Schuldig geworden durch Hörigkeit wie vorauseilenden Gehorsam, Unterwerfung wie Identifizierung mit imperialen Ideologien. Die sich prostituierten, mit eroberungssüchtiger Macht kopulierten, Anstand und Sittlichkeit vermissen ließen.

Die von der NS-Reichskulturkammer als »arisch« geadelten Künstler wussten um das Schicksal nicht-arischer Kollegen, die außer Landes gejagt oder ermordet wurden, deren Werke als »entartet« und »kulturbolschewistisch« aus den Museen verschwanden. Jene Wissenden waren - ob sie malten oder meißelten, »Herrenmenschen« porträtierten oder nur Stillleben schufen - mitschuldig geworden. Als Anstreicher im Dienst des »Anstreichers« aus Braunau. Sie weißten die Fassade seines blutbefleckten Regimes. Sie lebten satt und zufrieden, während Millionen Menschen in Deutschland und Europa stöhnten, schmachteten, starben.

Wer nun einwendet: »Ja, aber auch unter Stalin...« - der vergegenwärtige sich: 60 Millionen Weltkriegstote, sechs Millionen ermordete Juden. Das ist nicht die Opferstatistik des Kremlherrn, sondern des Diktators in Berlin und seiner zahlreichen Komplizen. Auch in der Kunst. Ab Donnerstag werden NS-Sammlungen im Internet frei zu sehen sein. Wer will sie sehen? Und warum?

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