Schlagkräftige Alternative: Sektorgewerkschaft

Nach der Schließung vieler Plantagen suchen die Arbeitervertretungen in Honduras nach einer neuen Strategie

  • Knut Henkel
  • Lesedauer: 3 Min.
Einst waren die Bananengewerkschaften in Mittelamerika ausgesprochen einflussreich. Doch in den letzten Dekaden ist nicht nur der Organisationsgrad zurückgegangen, auch wurden Plantagen geschlossen. Wie man der Krise der Betriebsgewerkschaften begegnen kann, ist derzeit ein prägendes Thema bei der Colsiba.
Bananenarbeiter auf einer Plantage in Honduras
Bananenarbeiter auf einer Plantage in Honduras

Sitraterco ist eine starke Gewerkschaft. Davon zeugt das prächtige Gewerkschaftsgebäude im Herzen der hondurenischen Kleinstadt La Lima. Die liegt vor den Toren von San Pedro Sula und einst waren mehr als 9000 organisierte Arbeiter im Gewerkschaftsregister der Tele Railroad Company registriert. So heißt die Chiquita-Tochter in Honduras, und den Namen hat sie der Tatsache zu verdanken, dass sie die gelben Früchte per Bahn zum Verladehafen transportierte.

Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Eine der letzten Loks rottet auf dem Gleis vor dem Gewerkschaftsgebäude und die Zahl der Arbeiter auf den Chiquita-Plantagen in Honduras ist seit Jahren rückläufig. »Knapp 3000 sind es noch und davon ist die Hälfte organisiert«, erklärt der Sitraterco-Vorsitzende Armando Martínez. Unumwunden gibt er zu, dass die Gewerkschaft merklich an Schlagkraft verloren hat seitdem der US-Konzern die Zahl der Plantagen reduziert hat und mehr und mehr Bananen von unabhängigen Produzenten ankauft.

Für die Gewerkschaften ist das eine erhebliche Herausforderung mit der man sich ein paar Straßen entfernt bei der Koordination der Bananen- und Agrargewerkschaften von Honduras (Cosibah) seit längerem Gedanken macht. »Wir stoßen mit unserer traditionellen Organisationsstruktur an unsere Grenzen. Die Betriebsgewerkschaften werden kleiner und verlieren an Einfluss, daher brauchen wir Organisationsformen, die weiter reichen«, erklärt German Zepeda. Der 51-jährige ist Vorsitzender der Cosibah und wirbt nicht nur in Honduras für die Bündelung der Kräfte, sondern auch auf regionaler Ebene.

Dabei gibt es ein Vorbild - die kolumbianische Sintrainagro. Eine Gewerkschaft, in der nicht nur die Bananenarbeiter zu Hause sind, sondern alle Arbeitnehmer im Agrarsektor. Auch die Arbeiter in der verarbeitenden Industrie, wodurch die Gewerkschaft mit 25 000 Mitgliedern ausgesprochen schlagkräftig ist. Das kolumbianische Beispiel ist auch ein Thema in der Koordinierung der Gewerkschaften der Bananen und Ananasarbeiterinnen Lateinamerikas (Colsiba), so deren Vorsitzende Iris Munguía. »Wir haben in der ganzen Region Probleme unsere gewerkschaftlichen Rechte durchzusetzen. Der Organisationsgrad in Honduras liegt bei acht Prozent, in Kolumbien bei etwa fünf. Doch nur mit starken Gewerkschaften können wir auch auf gesellschaftliche Entwicklungen Einfluss nehmen.« Demnach steht ein Wandel in den Strukturen an, was für traditionsreiche Gewerkschaften wie die Sitraterco ein alles andere als einfacher Prozess ist. Doch angesichts der sich wandelnden Strukturen im Bananenanbau gibt es langfristig kaum eine Alternative. Die großen Fruchtkonzerne wie Chiquita, Dole, Del Monte oder die irische Fyffes produzieren immer weniger in Eigenregie und kaufen immer mehr bei lokalen Produzenten an. »Bei den lokalen Produzenten ist es jedoch oftmals noch schwerer Gewerkschaften aufzubauen als bei den internationalen Konzernen«, weist Iris Munguía auf ein weiteres Problem hin. Ein schlagkräftige Sektorgewerkschaft könne jedoch auch für die Arbeiter, die bisher nicht organisiert sind, ein attraktive Alternative sein. Das hoffen zumindest die Experten wie Iris Munguía und German Zepeda. Ob Sitraterco und die vielen kleineren Betriebsgewerkschaften dem Konzept jedoch folgen werden, ist noch nicht klar.

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