Lage in Thailand spitzt sich zu
Flughafen gesperrt
Die Hochwasserlage in Thailand und vor allem in der Hauptstadt Bangkok spitzt sich weiter zu. In Erwartung weiterer Überschwemmungen ordneten die Behörden am Dienstag für alle betroffenen 21 Provinzen ein auf fünf Tage verlängertes Wochenende an, um den Bewohnern Zeit zu geben, sich auf weitere Überschwemmungen vorzubereiten. Am Mittag erreichten die Fluten auch Bangkoks Inlandsflughafen Don Mueang.
Angesichts der zunehmend dramatischen Lage verschärften die Behörden ihre Warnungen. Für Mittwoch sei mit neuen »schweren Überschwemmungen« zu rechnen, verkündete das Krisenzentrum der Regierung. Nach einer Sondersitzung des Kabinetts ordnete Justizminister Pracha Promnog als Leiter des Krisenstabs die Schließung aller Regierungsgebäude und Institutionen des öffentlichen Dienstes ab Donnerstag bis einschließlich kommenden Montag an.
Die Schulferien wurden bis 15. November verlängert. Private Unternehmen mit Ausnahme der Lebensmittelhersteller wurden gebeten, ihre Angestellten auf Wunsch freizustellen.
Die Behörden in Bangkok rechnen damit, dass der Fluss Chao Phraya in den kommenden Tagen eine Höhe von 2,60 Metern erreicht - die Flutschutzdämme sind im Durchschnitt aber nur 2,50 Meter hoch. Schon jetzt sind mindestens sechs Viertel der Hauptstadt überschwemmt, andere waren akut bedroht.
Allen verzweifelten Schutzmaßnahmen zum Trotz wurde auch Bangkoks zweitgrößter Flughafen Don Mueang (Foto: dpa) überschwemmt, der zurzeit das Krisenzentrum der Regierung sowie ein Notaufnahmelager für Flutopfer beherbergt. Der Flugbetrieb wurde bis Anfang November eingestellt, die Flutopfer sollen an einen sichereren Ort gebracht werden. Ihr Krisenzentrum will die Regierung jedoch vorläufig weiter von Don Mueang aus betreiben.
»Ich wiederhole noch einmal meine Warnung an alle, die in der Nähe des Flusses wohnen«, sagte der Gouverneur von Bangkok, Sukhumbhand Paribatra. Die Menschen sollten »ihre Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen und sich in höchster Alarmbereitschaft halten«. Vertreter des Krisenstabs von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra mahnten ebenfalls eindringlich, die Krise nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
Kompetenzstreitigkeiten zwischen Regierungschefin Yingluck und Bangkoks Gouverneur, der der Opposition angehört, erschweren jedoch alle Bemühungen, die Maßnahmen zum Schutz der Hauptstadt zu koordinieren.
Die Millionenstadt Bangkok bereitet sich seit Tagen auf weitere schwere Überschwemmungen vor, doch scheint der Kampf inzwischen weitgehend verloren. Die Frage ist nur noch, wie schwer Altstadt und Finanz- und Handelszentrums betroffen sein werden.
Thailand erlebt seit mehr als zwei Monaten die heftigsten Regenfälle und Überschwemmungen seit mehreren Jahrzehnten. Mehr als 360 Menschen kamen bei der Flutkatastrophe bisher schon ums Leben, mehr als neun Millionen Menschen verloren ihre Häuser. AFP
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.