Justizflüchtling hebt Lausitz-Kupferschatz

Bergbaufirma von Boliviens Ex-Präsident Sánchez de Lozada bohrt in Brandenburg und Sachsen

  • Benjamin Beutler
  • Lesedauer: 2 Min.
In der Lausitz lagern riesige Kupfervorkommen. Die soll eine Firma abbauen, deren Chef vor Boliviens Justiz auf der Flucht ist.

Deutschlands Wirtschaft ist im Rohstoffhunger. Bei der Wahl von Geschäftspartnern ist man darum nicht zimperlich. Das gilt auch für Brandenburg und Sachsen, wo der Bergbaufirma Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL) von Boliviens Ex-Präsidenten Gonzalo »Goni« Sánchez de Lozada die Gewinnungsrechte am riesigen Kupfervorkommen Spremberg-Graustein-Schleife erteilt wurde. Es winken Milliardengewinne. Über 15 Kilometer Länge und drei Kilometer Breite erstreckt sich der »Kupferschatz der Lausitz«. An der Grenze zu Polen, 800 bis 1300 Meter tief, liegt das Kupferschieferflöz, eng schmiegt sich das gefragte Metall an eine 255 Millionen Jahre alte Zechsteinformation. Schon zu DDR-Zeiten wurden 1,5 Millionen Tonnen Kupfer vermutet, im Schiefer stecken Nickel, Kobalt, Molybdän, Palladium, Silber und Gold. Für die Region soll der Abbau 5000 Arbeitsplätze und 700 Millionen Euro Investitionen bringen - die Kupferpreise sind seit 2000 jährlich um 11,5 Prozent in die Höhe geschnellt.

KSL ist eine Hundert-Prozent-Tochter von Minera S.A., deren heimlicher Chef hierzulande kaum bekannt ist. In Bolivien aber ist »Goni« eine Hassfigur. Eine Umfrage wählte den 81 Jahre alten Multimillionär jüngst zum »unbeliebtesten Politiker der Gegenwart«. Der reichste Mann aus Südamerikas größtem Armenhaus gilt als gerissen und rücksichtslos. Als halb Bolivien 2003 gegen den Staatschef auf die Straßen ging, erteilte Sánchez de Lozada den Schießbefehl. Die von US-Beratern trainierten Militärs richteten ein Blutbad an. Wegen des geplanten Gasverkaufs über Chile nach Kalifornien hatten Demonstranten die Hauptstadt blockiert, einem Benzintransport schoss die Armee den Weg frei. 67 Menschen wurden im »Schwarzen Oktober« erschossen, über 400 verletzt. Als die Gewalt in dem sozial gespaltenen und von Internationalem Währungsfonds und Weltbank heruntergewirtschafteten Andenland nichts mehr nutzte, setzte sich der Präsident zusammen mit drei seiner Minister in Richtung USA ab. Mit dabei ein Koffer voller Geld, kurz zuvor in der Nationalbank abgehoben.

In Deutschland ist Minera, von »Goni« 1962 mit Hilfe der Citicorp Capital Investors von der Steueroase Bahamas gegründet, weiter salonfähig. Ihr Sitz ist Panama, offizieller Leiter ist Sebastian Sánchez de Lozada, der Sohn des Justizflüchtlings. Denn die juristische Aufarbeitung steht noch aus. Und für US-Staatsbürger »Goni« könnte es eng werden. Mit allen Mitteln arbeitet Bolivien derzeit an der Auslieferung. »Wir werden die Auslieferungsgesuche durchgehen«, ist Vize-Außenminister Carlos Alurralde optimistisch.

Nach einer Eiszeit setzen Washington und La Paz wieder auf Dialog, Mitte der Woche wurde die Wiederentsendung der 2008 abgezogenen Botschafter besiegelt. Die deutschen Behörden sollten bei KSL genau hinschauen: In Bolivien deklarierte die Lozada-Firma COMSUR jahrelang nur Zink, andere Mineralien schmuggelte sie an Fiskus und Zoll vorbei ins Ausland.

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