18 Monate Kosovo sind zu viel
Wehrbeauftragter klagt
Der Wehrbeauftragte des Bundestags hat die abermalige Entsendung des Bundeswehr-Reservebataillons nach Kosovo kritisiert. In einem dreiseitigen Brief an das Parlament bewertete Hellmut Königshaus (FDP) die Einsatzbelastung für die Soldatinnen und Soldaten des ABC-Abwehrregiments aus Bruchsal und des Artilleriebataillons aus Immendingen als »deutlich zu hoch«. Große Teile der Einheiten seien durch die neue Mission der »Operational Reserve Force« (ORF) »zum dritten Mal innerhalb von anderthalb Jahren in den Einsatz« geschickt worden - faktisch sind viele Soldaten damit quasi seit 18 Monaten im Dauereinsatz.
Der Wehrbeauftragte hatte sich erst unlängst im Gespräch mit Angehörigen der deutsch-österreichischen Eingreiftruppe Operational Reserve Force über die Situation vor Ort informiert.
Der Kommandeur der von der NATO geführten Kosovo-Schutztruppe KFOR hat die Verstärkung angefordert. Grund sind wachsende Spannungen vor der Kommunalwahl in Serbien am 6. Mai. Ursprünglich wollte Belgrad auch im serbisch dominierten Nordkosovo-Landesteil die Gemeinderäte wählen lassen. Die albanisch-dominierte Regierung in Pristina kündigte an, das mit allen Mitteln zu verhindern. Daraufhin erklärte der serbische Kosovo-Minister Goran Bogdanovic, Serbien könne statt der Wahl auch Funktionsträger ernennen. In einem Teil der Gemeinden wollen die kosovarischen Serben dennoch wählen.
Ein ORF-Bataillon hält sich für jeweils ein halbes Jahr im Heimatland für einen möglichen Einsatz bereit. Es besteht aus zwei Verbänden, die innerhalb von sieben Tagen beziehungsweise 14 Tagen auf den Balkan verlegt werden können. Zur Zeit hat die NATO mit ihrer Eingreifreserve rund 5800 Soldaten im KFOR-Einsatz, 1300 stellt die Bundeswehr. Von der oft versprochenen Truppenreduzierung nach zwölf Jahren Besatzung ist keine Rede mehr.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.