Solare Absatzkrise
Zahlen & Fakten
Die deutsche Solarindustrie steckt in der Krise. Die mittelständisch geprägte Branche macht vor allem China für den Niedergang verantwortlich, das den Markt mit künstlich billig gehaltenen Modulen überschwemme. Die Situation wird verschärft durch die am 1. April in Kraft getretenen zusätzlichen Förderkürzungen für neu installierte Photovoltaik-Anlagen. Dies wird den Absatz in Deutschland massiv reduzieren. Außerdem wird der Preis der Module noch wichtiger.
Seit Monaten gibt es eine Pleitewelle: Im Dezember 2011 traf es Solon (Berlin), einen der Pioniere der Branche. Er wurde von der indisch-arabischen Microsol übernommen; 433 von 471 Jobs in Berlin bleiben zunächst, der Standort Greifswald wird geschlossen. Wenig später beantragte der Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium (Erlangen) mit 60 Mitarbeitern die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Im März 2012 folgte das Unternehmen Solarhybrid (Brilon, Nordrhein-Westfalen), das auf den Bau großer Solarstrom-Kraftwerke spezialisiert ist. Anfang April traf es den einst weltgrößten Solarzellenhersteller Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen. Bislang wird am Stammsitz mit 1300 Mitarbeitern weiterproduziert. Besonders hart traf es Frankfurt (Oder): Kurz nachdem Odersun (260 Mitarbeiter) Insolvenz anmeldete, kündigte der US-Konzern First Solar die Schließung seines Standortes mit 1200 Beschäftigten an.
Auch andere Hersteller verbuchen Umsatzeinbrüche. Am Donnerstag meldete SolarWorld (Bonn) einen kräftigen Gewinnrückgang, der Maschinenbauer Centrotherm (Blaubeuren) hohe Verluste; dagegen gab es beim nordhessischen Solartechnikhersteller SMA Solar ein dickes Plus. Bei Conergy aus Hamburg werden demnächst wohl Investoren aus China einsteigen; Sunways (Konstanz) gehört bereits dem chinesischen Konkurrenten LDK Solar. dpa/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.