Roths dunkle Seiten
Frankfurts Oberbürgermeisterin wird festlich verabschiedet - begleitet von Protest
Ein feierlicher Akt soll es in der legendären Frankfurter Paulskirche werden, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich angesagt. Doch gleichzeitig haben linke und autonome Gruppen bis hin zum breiten Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau zum Protest gerufen. Die Demonstranten sollen als »schwarzer Block« gekleidet auf den Paulsplatz kommen, um auf zwei dunkle Punkte zum Ende von Roths Amtszeit hinzuweisen.
So soll gegen das strikte mehrtägige Verbot der Blockupy-Proteste gegen Bankenmacht und EU-Krisendiktate Mitte Mai in der Frankfurter Innenstadt demonstriert werden. Das vom Frankfurter Ordnungsdezernenten Markus Frank (CDU) verhängte und von OB Roth mitgetragene Versammlungsverbot hatte zu einem mehrtägigen Belagerungs- und Ausnahmezustand geführt und war weit über das linke Spektrum hinaus als Abkehr vom Anspruch einer liberalen, weltoffenen und toleranten Stadt kritisiert worden.
Punkt zwei: Seit der Inbetriebnahme der neuen Nordwest-Landebahn am Rhein-Main-Flughafen macht ein hoher Geräuschpegel besonders den Anwohnern im Frankfurter Süden und in Orten am Untermain zu schaffen. Viele ehemalige CDU-Wähler in besseren Wohnlagen nehmen es Roth übel, dass sie den Bau der Landebahn und die damit einhergehende Landschafts- und Umweltzerstörung mitgetragen hat.
Am Ende ihrer Amtszeit hatte die 68-jährige Petra Roth auch darüber eine wenig glückliche Hand. Als sie vor über einem halben Jahr überraschend ihren vorzeitigen Rückzug aus dem kommunalen Spitzenamt ankündigte, sahen Beobachter darin zunächst einen gelungenen Coup, um die ratlose örtliche SPD zu überrumpeln. Roth wollte den von ihr favorisierten hessischen Innenminister Boris Rhein (CDU) als ihren Nachfolger aufs Schild heben. Doch beim Urnengang im März setzte sich der bislang unbekannte SPD-Mann Peter Feldmann dann klar gegen Rhein durch. Hoffnungen Petra Roths, nach dem Rücktritt Christian Wulffs Anfang 2012 als neue Hausherrin in das Berliner Bundespräsidialamt einziehen zu können, zerschlugen sich rasch.
Die gelernte Arzthelferin Petra Roth war in den 1960er Jahren aus Bremen an den Main gekommen und in eine Frankfurter CDU-Familie eingeheiratet. 1995 schlug die eher als »Verlegenheitskandidatin« angesehene, sich jedoch betont »bürgernah« gebende Roth den SPD-Amtsinhaber Andreas von Schoeler überraschend mit deutlichem Vorsprung. 2001 und 2007 wurde sie unangefochten wiedergewählt. Weil die Frankfurter SPD in ihrer einstigen Hochburg dahinsiechte und als Machtfaktor im Rathaus zunehmend ausfiel, schmiedeten Roth und die CDU schließlich ein festes Bündnis mit den Grünen und deren Frontfrau und Bürgermeisterin Jutta Ebeling, das auch nach den Kommunalwahlen 2011 bestätigt wurde. Auch wenn die Frankfurter Grünen als »modernere FDP« gelten, folgte die grüne Wählerbasis in der jüngsten OB-Wahl nicht dem Rat der Oberen in Partei und Fraktion, sondern stimmte in der Stichwahl für Feldmann. Wie beständig Schwarz-Grün in Frankfurt nach dem Abtritt Roths und dem altersbedingten Ausscheiden Jutta Ebelings bleibt, muss sich zeigen.
Ins Rampenlicht rückte Petra Roth im letzten Jahrzehnt als Präsidentin und Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages. Dabei warnte sie an der Seite von Münchens OB Christian Ude (SPD) regelmäßig vor einem finanziellen Ausbluten der Kommunen. In Roths Amtszeit fallen auch »Sünden« wie die »Cross Border Leasing«-Projekte für das U-Bahn-Netz und die Frankfurter Messe, die inzwischen wieder zurückgenommen wurden. Auch wenn sie sich nach außen hin »sozial« gibt, bescheinigen ihr Beobachter, dass die jahrelange Nähe zu den Chefetagen von Banken, Versicherungen und Großkonzernen sie prägte.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.